It‘s a match! – Das Chemnitzer-Kneipen-Tinder

Welche Kneipe passt zu dir?

Kneipen wissen von menschlichen Höhe- und Tiefpunkten. Sie kennen unsere Geheimnisse und Träume sowie die schönsten und traurigsten Geschichten. Kneipen sind Orte zum Verlieben, Orte an denen man sich verabschiedet und nach Jahren wieder trifft. Kneipen sind Orte an denen Erinnerungen leben.

Genau wie die Späti- oder Cafékultur ist auch das Kneipenleben noch ein etwas „wunder Punkt“ in Chemnitz. Dieser kleine Kneipen-Tinder-Test, soll euch ein bisschen auf die Sprünge helfen, euer persönliches Kneipen-Match zu finden! Viel Spaß 😀

Atmosphäre

A: Ich bin ja mit meinen Freunden unterwegs – dann stimmt die Atmosphäre meistens so oder so

B: umso verrückter, desto besser. Aber darf auch gerne random sein – Hauptsache authentisch!

C: schick und elegant

D: klassisch alternativ, hip

E: familiär und unkommerziell

F: Ist mir nicht so wichtig, wenn der Pegel stimmt, feier ich alles

Getränke

A: 100% Bierlove

B: Ist mir nicht so wichtig, mir geht es mehr darum, neue Orte zu erkunden, verschiedene Menschen zu treffen, und aus meiner Komfort-Zone zu kommen

C: Cocktails und Longdrinks in guter Qualität muss es auf jeden Fall geben

D: Meistens wirds irgendein Kultbier, Radler, ein guter Wein oder auch mal eine Bio-Limo

E: ein paar Sternis machen mich rundum glücklich

F: Ist mir nicht so wichtig, ich nehme den Abend wie er kommt, im Notfall regelt ein Späti oder Supermarkt

Lage

A: Nicht so weit weg ist optimal, sodass man ohne Sorgen lange machen kann und immer noch gemütlich nach Hause kommt

C: Ist mir eigentlich egal – für eine gute Location fahre ich gerne mal ein Stückchen weiter

D: Meine Leute und ich haben meist so unsere Stammkneipe in der Nähe

E: Mit dem Fahrrad sollte es gut erreichbar sein, wenn die Location ein bisschen im Grünen ist, wäre das optimal

B, F: Lage ist egal, ich finde es lustig und spannend ans andere Ende der Stadt zu fahren

Musik

A: ich finde es gut, wenn nostalgische Songs kommen, die mich an geeinsame Momente mit meinen Leuten erinnern

B: meine Lieblingstracks kann ich ja selbst immer hören, mir geht es darum, neue Erfahrungen zu machen. In einer kultigen Location feier ich es zum Beispiel auch, wenn die Musik einfach nur kacke ist

C: Lounge Musik, Jazz, auch gerne mal Klassik

D: Ich bin da relativ experimentierfreudig, aber gut muss die Musik auf jeden Fall sein

E: Mir ist besonders die politische Korrektheit der Songs wichtig und dass es nicht so laut ist, dass man sich nicht mehr unterhalten kann

F: Die Musik sollte motivierend und feierbar sein

Einrichtung

A: urig und gemütlich

B: trashig, kultig

C: schick und edel

D: künstlerisch, provisorisch

E: am liebsten Outdoor

F: nicht so wichtig

Preis

A: Der Bierpreis muss stimmen

B: Ich mag Trash-Locations, da sind die Preise meistens okay

C: Es kann ruhig teuer sein, wenn die Qualität stimmt – bin ja nicht da um mich hemmungslos zu betrinken

D: Für eine besondere Location und Menschen zahle ich auch mal etwas mehr

E: Ich präferiere Orte, wo man auf Spendenbasis zahlen kann

F: Wenn es zu teuer ist, hole ich mir lieber was beim Späti und ziehe weiter

Motivation

A: Spaß mit meinen Freunden haben

B: Abenteuer, Kultur, Inspiration

C: Genuss, gute Gespräche

D: Musik, interessante, stylische Leute

E: Entspannen, abschalten, gute Unterhaltungen

F: Spaß, Connections, Flirts

Gesellschaft

A, E: Ich mag familiäre Orte, wo ich enge Freunde und Bekannte treffe

B: Ich mag es, in Bars mit verschiedenen Menschen zu connecten und raus aus meiner „Freundes-Bubble“ zu kommen

C: Ich bleibe lieber im kleinen Kreis, gerne auch nur zu zweit, oder zu dritt – da entstehen die besten Unterhaltungen

D: Es ist mir wichtig, dass ich mich mit den anderen Menschen in der Bar wohlfühle, Menschen tragen sehr zur Atmosphäre bei

F: Ist mir nicht so wichtig

Auflösung:

Am Meisten A: gemütlich, gesellig & durstig – Dein Top Kneipen-Match ist das Imagine in Bernsdorf. Zweite Wahl sind Diebels Fasskeller und Moes Bar im Zentrum. Du bist eher der gemütliche Kneipengänger. Meistens bleiben du und deine Freunde den ganzen Abend am gleichen Ort und ihr zischt ein Bierchen nach dem nächsten.

Am Meisten B: Trashig, neugierig, kultig. Du gehst nicht nur in Bars um zu trinken, viel mehr siehst du das Kneipenleben als kulturelles Abenteuer. Du willst raus aus deiner Komfort-Zone, Menschen kennen lernen und andere Lebenswelten erfahren. Besonders magst du kultige Kneipen mit komischer Deko und charakterstarken Menschen. Deine Matches sind das Zietentreff auf dem Sonnenberg, Marquardts Kellerneipe auf dem Kaßberg, das Ponytail und Karaoke im Uferstrand im Zentrum nach 00:00.

Am Meisten C: stilvoll, maßvoll, genussvoll. Für diesen Typ bietet Chemnitz leider ein schmales Angebot. Es gibt jedoch eine Bar, die zu 100% deinen Geschmack trifft – die Maroon-Bar auf dem Kaßberg: Ein Altbau aus der Gründerzeit, Schicke Vintageeinrichtung, gekonnt zubereitete Cocktails und Kerzenschein lassen dein Herz höher schlagen.

Am Meisten D: Tabak & Trends. Du gibst dich gerne anspruchslos, aber eigentlich weißt du, was Kneipen angeht, genau was du willst: Ein alternativ-stylisches Ambiente, hip gekleidete Menschen und gute Musik. Deine Top Matches sind deshalb das Weltecho im Zentrum und die Balboa-Bar auf dem Brühl, oder auch das Lokomov.

Am Meisten E: entspannt, umsorgt und unkommerziell. Dein Match sind das Subbotnik in Bernsdorf und die Zukunft am Concordia-Park. Du trinkst gerne an Orten und mit Menschen, wo du dich geborgen und sicher fühlst und bist weniger der Typ für Sauf-Eskapaden. Du liebst es außerdem draußen zu sein. Ein paar Bierchen im Grünen und was Gutes im Magen, dann bist du rundum zufrieden und hast beinahe endlose Energie, bis tief in die Nacht mit politischen und philosophischen Gesprächen die Welt zu verbessern.

Am Meisten F: cornern, pöbeln, Abenteuer. Du bist der klassische Kneipen-Tour Typ. Was Bars angeht bist du eins gewiss nicht – monogam. Generell bist du gar nicht mal unbedingt so der Bar-Typ. Du liebst es, durch die Stadt zu streunen, lässt dich treiben und schaust, was der Abend so bringt. Du bist Anti Gemütlichkeit und pro Action. Deine Top-Matches sind deshalb der Späti auf dem Sonnenberg, Alanya-Döner und der City Rewe in der Stadt, das Parkhaus Deck in Bernsdorf und die Uni-Klubs.

Text: Katha von Sterni
Foto: Pixabay

Spät…später…Späti!

Manchmal hat man was vergessen. Manchmal ist es spontan. Manchmal hat man einfach Bock. Meistens ist es zu spät. Wenn die Läden zu haben und man doch noch was braucht, ist ein Spätverkauf der Retter in der Not. Bei Heißhunger in der Nacht, einer Zahnbürste für spontanen Besuch und trockener Kehle auf dem Heimweg. In den meisten Großstädten kein Problem, aber in Chemnitz? Das Sächsische Ladenöffnungsgesetz* macht uns einen Strich durch die Rechnung und nachdem der Döner-Drive-In als traditionelle letzte Einkehr einer Baustelle weichen musste, sieht es nun besonders finster aus.

Das haben auch Anna und Karin festgestellt. Beide studieren seit einem Jahr IKK im Master an der TU Chemnitz und wollten das nicht so stehen lassen. Durch Rumfragen und einen glücklichen Zufall sind sie an die Räumlichkeit an der Jakobstraße 42/Ecke Zietenstraße geraten. Einige kennen den Laden bereits als „Späti“. Dieser entstand vor etwa zwei Jahren im Rahmen der Dialogfelder als ortsspezifische Installation unter dem Namen „Kiosk“. Johannes Specks und Marie Donike wollten den Chemnitzerinnen und Chemnitzern für eine Woche einen Ort schenken, an dem Menschen sich begegnen und ins Gespräch kommen – zwischen Bockwurst, Bier und Süßwaren.

Diese Vision greifen Anna und Karin auf. Angeschlossen an den Klub Solitaer e.V. wollen sie ihrem Geschäft einen gemeinnützigen Rahmen geben, denn ein Späti ist mehr als nur ein Ort für sofortigen Bedarf. Er soll auf niederschwellige Weise zum Verweilen und Vermischen verschiedenster Menschen einladen. Außerdem soll die Räumlichkeit auch für Veranstaltungen genutzt werden können. Weiterhin soll das Sortiment partizipativ gestaltet werden: auf Tapeten und über Einwurfboxen können Wünsche geäußert werden, was im Späti verkauft werden soll. So kann jeder in in die Entwicklung des Ladens einbezogen werden.

Zum Glück soll Annas und Karins Laden (der übrigens richtig der „Späti“ heißt) dauerhaft geöffnet sein. Vorerst Sonntag und Montag, damit auch an diesen Tagen etwas auf dem Sonnenberg los ist, in Zukunft auch an weiteren Tagen, wenn sich noch weitere Späti-Begeisterte finden, die das Geschäft unterstützen wollen. Die wichtigste Frage aber: Auch in der Nacht? Bis Mitternacht ist immer jemand vor Ort, danach sind die beiden über das Spätiphon (015735428699) erreichbar und können Auskunft geben, ob danach noch verkauft wird. Mit dem sogenannten „Dampfnudel-Trick“, wie Karin ihn genannt hat, kann man das Sächsische Ladenöffnungsgesetz geschickt umgehen, denn es gibt immer ein Gericht – damit ist der „Späti“ auch ein Imbiss und darf länger verkaufen.

*(Öffnungszeiten für Läden gelten von Montag bis Freitag 6 bis 22 Uhr)

Text: Linda Kolodjuk
Bild: Rose Kuhn

Verloren im Whatsapp-Nirwana

Manchmal ist es zu schön, um wahr zu sein. Man lernt jemanden kennen, fühlt sich wie auf Händen getragen und findet den Glauben an die wahre große Liebe wieder. Das sagt dir nicht nur dein Herz, sondern vor allem dein Kopf. War doch sonst der natürliche Lauf der Dinge ein anderer gewesen. Zwischen „Ich mag dich“ und Nachrichten, die unbeantwortet im Nirwana verschwanden, lagen oft nur wenige Wochen.

Doch diesmal wird alles anders. Mit Engelszungen rede ich auf mich ein und versuche mich vergebens davon zu überzeugen, dass diese Talfahrt endet. Hier und vor allem mit dir. Hattest du mir doch das Blaue vom Himmel versprochen, sitze ich nun seit mittlerweile fast einer Woche hier und starre auf mein Telefon. Denn du ghostest mich. Mal wieder. Ein Phänomen, das vor Unselbstständigkeit, Mangel an Selbstbewusstsein und Feigheit nur so strotzt. Es ist die unehrlichste und vor allem unaufrichtigste Art jemanden in den Wind zu schießen.

Zur Definition: Jemanden zu ghosten, bedeutet den*die andere*n zu ignorieren. Keine Nachricht wird mehr beantwortet, kein Anruf entgegengenommen. Man verschwindet von der Bildfläche des*der anderen, ohne offenstehende Fragen oder den Elefanten im Raum besprochen zu haben. Man wird zum nicht greifbaren Geist.

Und das ist die Stelle, an der ich alle Leser*innen in meinem Leben willkommen heiße.

Ich bin wütend, richtig wütend. Die Frage, was man damit bezwecken will jemanden auf „gelesen“ stehenzulassen, obwohl der eigenen Wahrnehmung nach zu urteilen, doch alles bestens war, ist mir unbegreiflich. Hatte ich mich doch selbst immer als unkompliziert wahrgenommen, stelle ich jetzt nicht nur mich infrage, sondern auch meine Beziehungsfähigkeit. Das kratzt nicht nur an meinem Ego, sondern auch an meinen sozialen Skills, die ich bisher für solide erachtet hatte. Ich ertappe mich dabei, wie ich alle 20 Minuten meine letzten Nachrichten durchschaue und sehe wie sie dort einsam und verlassen mit zwei blauen Haken im Whatsapp-Nirwana vor sich hindümpeln. Durch den Kosmos der Kommunikation irrend und darauf wartend, dass sie empfangen und abgeholt werden.

In solchen Situationen frage ich mich immer wieder, was die Beweggründe dafür sind dem*der anderen nicht sagen zu können, dass man keine Lust auf weiteren Kontakt hat. Ist es die Angst vor der „Crazy-Ex-Girlfriend“ oder die eigene Inkompetenz, die hier Bände spricht? Für Betroffene des Ghostings brechen je nach Gefühlslage kleinere oder größere Welten zusammen. Besonders unfair an dieser Situation ist, dass dem*der Betroffenen die Möglichkeit genommen wird mit der Affäre, Beziehung oder ähnlichem Techtelmechtel abzuschließen. Ständig kreisen die Gedanken um Szenarien, die darauf hoffen lassen, dass sich das verschwundene Gegenüber doch noch einmal meldet. Vergebens. Immer vergebens. Entsprechend muss der Abnabelungsprozess alleine gestartet und abgeschlossen werden. Es ist ein fucking Marathon, bei dem man den Startschuss verpasst hat und die vollen 42 km am Ende alleine läuft. Denn keiner weiß, wann die Geschichte nun endet, ob sie überhaupt endet oder ob sie schon lange vorbei war.

Ich für meinen Teil habe das Verständnis für die Generation „Block him“ verloren. Es kann keinen Grund dafür geben, den*die andere*n mit seinen Gefühlen alleine zu lassen. Keine Angst, kein Mangel an sozialen Fähigkeiten kann so groß sein, dass man einfach verschwindet. Ghosting ist das virtuelle, neumodische „Ich geh nur schnell Zigaretten holen“. Was damals schon die Hölle für alle Zurückgelassenen war, ist heute nicht minder schlimm. Auch wenn man es persönlich nicht schafft den anderen abzuschießen, ist ein Text, eine Nachricht oder eine DM doch das Mindeste, um allen Beteiligten ermöglichen zu können, sich auf den nächsten Fehlkauf in Sachen Liebe einzulassen.

In diesem Sinne appelliere ich an alle, die vorhaben sich ihrer eigenen Verantwortung zu entziehen. Sobald ihr eine emotionale oder auch nur körperliche Beziehung zu einem Menschen eingeht, ganz gleich, ob Freundschaft oder Affäre, tragt ihr nicht nur die Verantwortung für euch, sondern auch für euer Gegenüber. Man selbst möchte ja auch nicht so behandelt werden. Seid ehrlich, seid aufrichtig und ich verspreche das Leben wird es euch danken.

Text und Bild: Janna Meyer

Die in dieser Kolumne dargestellten Sichtweisen sind allein der Autorin zuzuordnen und spiegeln nicht die Meinung der gesamten Redaktion wider.

„Die Antwort auf die Frage nach dem Sinn jugendlicher Unruhe“

– Ron Williams, deutsch-amerikanischer Schauspieler und Moderator zum Musical Hair

Vergangenen Freitag feierte das Sommerprojekt des Chemnitzer Theaters, das anfänglich noch für ordentlich Wirbel gesorgt hatte, auf der OpenAir Küchwaldbühne endlich Premiere.

Bis zur ersten Aufführung des Bühnenstückes Hair in Chemnitz, hatte das Projekt einiges zu überwinden. Infolge der Beschränkungen der Covid19-Pandemie wurde der jährliche Plan des Chemnitzer Theaters auf die Probe gestellt und verlangte die Kürzung des Stückes. Gestrichen wurden alle Rollen Schwarzer Darsteler*innen. Diese Entscheidung brachte dem Theater große Kritik ein.

 „Überall auf der Welt war die Jugend unruhig geworden. Demonstrationen, Go-in, Hippie-Bewegung, Provokation – Protest-Symptome einer unruhigen Übergangszeit.“

– R.Williams

Das Musical Hair stammt aus der Feder von Gerome Ragni, James Rado und Galt MacDermot und wurde erstmals im Jahr 1967 als Off-Broadway gespielt, bevor es ein halbes Jahr später an den Broadway ging. Es erzählt die Geschichte einer Gruppe langhaariger Hippies, die in New York leben, lieben und das Establishment satthaben. Vietnamkrieg und Dreiecksbeziehungen, lustvoll und ziellos, Patriot und Pazifist. So zeichnet das Musical den Aufschrei und die Zerrissenheit einer ganzen Generation und schafft ein spürbares Spannungsfeld des Widerspruchs.

Es geht aus einer Zeit hervor, in der die Forderungen nach Umstrukturierung lauter werden und ein zunehmend großer Teil der Gesellschaft sich von vorherrschenden autoritären, diskriminierenden und rassistischen Strukturen befreien will. Es entstehen zahlreiche Protestbewegungen, eine davon ist die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung, ihr Nachhall reicht bis in den Westen der Welt und beschreibt heute das Kapitel der Studenten- beziehungsweise Mai-Unruhen.

Rassismus ist ein zentrales Thema des Musicals. Es ist vor allem auch für viele Schwarze Künstler*innen Möglichkeit für eine Rolle gewesen, denn stereotype Besetzungen machen auch um deutsche Theaterhäuser noch keinen großen Bogen.

Dass dieser Fehler nicht hätte passieren dürfen, sieht das Chemnitzer Theater ein und korrigiert sein Handeln. Weil Hair Symbolbild seiner Zeit ist, indem es um die friedvolle und gewaltfreie Vision einer Jugend geht, die sich gegen autoritäre und rassistische Strukturen auflehnt, trifft es den Nerv unserer Gegenwart auf bedenkliche Weise – denn auch ein halbes Jahrhundert später begleiten uns einige der infrage gestellten Strukturen noch immer.

Dass wir weiterhin dazu angehalten sind, auch jene zu hinterfragen, die wir selbstverständlich frei von Fehlern und diskriminierenden Strukturen sprechen, beweisen die Theater Chemnitz mit ihrem Sommererlebnis nur gut. Nicht aber um uns gegenseitig an den Pranger zu stellen, viel mehr, um gemeinsam und voneinander zu lernen. Die Bereitschaft an diesem Diskurs teilzunehmen und Entscheidungen zu überdenken, Einsicht zu zeigen, dass sich die Dinge verändern und verändern müssen haben die Theater Chemnitz bewiesen.

Welche nachhaltigen Veränderungen Hair in das Chemnitzer Theater gebracht hat erfahrt ihr bald in einem zweiten Teil. Noch bis zum 11.September könnt ihr das American Tribal Love-Rock Musical auf der OpenAir Küchwaldbühne besuchen.

auf dem Bild zu sehen: Jeannine Wacker (Sheila – Mitte), v. l. n. r.: André Naujoks (Woof), Cassandra Schütt (Crissy), Dennis Weißert (Berger) Foto: Nasser Hashemi/Theater Chemnitz
Text: Sibel Nergiz

Das mache ich nächstes Jahr definitiv wieder!

„Ich hol mir ein Bier und dann geh ich zur Main Stage!“, schreie ich meiner besten Freundin in ihr linkes Ohr. Ihr Blick ist leer. Das ist das Zeichen, dass ich befürchtet hatte. Sie hat kein Wort verstanden. Wortlos nehme ich mir ihr Handy und schreibe das eben Gesagte nochmal in ihre Notizen-App. Ein Nicken symbolisiert mir, dass ich losgehen kann.

Der Boden ist voller Konfetti und zertretener Plastikbecher. Der Bass drückt im Zwerchfell und die Lichter tanzen vor meinen Augen. Es fällt mir schwer bei den tausenden von Leuten um mich herum den Überblick zu behalten. Also kämpfe ich mich durch knutschende Pärchen, springende Teenager und feiernde Massen bis zum Getränkestand meines Vertrauens durch und versuche mein Glück.

„Ein Bier bitte!“ Und wieder sind es die leeren Augen, die mir verdeutlichen: Der Barmann hat nicht ein Wort von dem, was ich gesagt habe, verstanden. Also selbes Spiel von vorne. Ich hole diesmal mein Handy raus und tippe die gesagten Worte. Er nickt und während ich auf meine Bestellung warte, drehe ich mich in Richtung Bühne. Eine Mischung aus Serotoninüberschuss und Alkohol macht mein Hirn so wuschig, dass ich mir wünsche, das Festival würde niemals enden und das, obwohl ich hier niemanden kenne.

Es ist Samstag und damit Tag zwei der dreitägigen Dauerparty. Das heißt, die Dixies sind nicht mehr benutzbar, die Hälfte meiner Freunde wird sich heute Nacht noch auf dem Campingplatz verlaufen und ich habe trotz morgendlicher Dusche so viel Staub und Sand am ganzen Körper, dass ich mir aus heutiger Sicht wünschen würde, auch damals schon einen Mundschutz gehabt zu haben. Vielleicht würde der latente Urin-Bier-Schweiß-Geruch dann auch nicht so in der Nase brennen.
Ich bezahle mein viel zu überteuertes Bier, mache mich auf in Richtung Mainstage und bin glücklich. Das erste Mal seit langem fühle ich mich genau dort richtig, wo ich gerade bin.

Bin ich doch sonst ein eher zerstreuter Typ Mensch, der mit den Gedanken immer woanders ist, fügen sich hier alle Puzzleteile zusammen, die ein für mich stimmiges Bild ergeben. Keine Gedanken daran, wo man gerade lieber wäre, was man noch zu tun hat – nein – nicht einmal Sorgen um die verlorenen Freunde mache ich mir, während ich alleine über das Festivalgelände wandere. Ich habe die sogenannte Zeit meines Lebens. „Das mache ich nächstes Jahr definitiv wieder!“, verspreche ich mir.

Oh, wie naiv ich doch war. Konnte ja keiner ahnen, dass ein knappes Jahr später Corona die Welt in Atem halten würde. In der Praxis heißt das für uns alle, dass es seit April keine Großveranstaltungen mehr gibt. Keine Partys, keine Festivals, kein Oktoberfest, nichts. Entschuldigt meine Wortwahl, aber mich fuckt es übertrieben ab. Hatte ich für 2020 doch so viel geplant. Von Rock am Ring bis Fusion war meine Bucketlist voll mit Festivals und Exzessen. Und das ausgerechnet in dem Jahr, in dem ich meine erste Quarterlife-Crisis mit einem unvergesslichen Sommer verdrängen wollte. Ja, ich wollte einen unvergesslichen Sommer, aber nicht so!

Statt jetzt brutzelnd auf dem Campingplatz zu liegen und mir eine Mischung aus Glitzer, Blumen und Sand ins Gesicht zu klatschen, liege ich in meinem Bett und denke darüber nach, was hätte sein können. Klar, statt unbequemer Isomatte und Schlafsack tue ich meinem Rücken eine Wohltat, wenn ich weiterhin auf meiner dreifach-isolierten Memoryschaummatratze schlafe, doch dieses Jahr zieht sich. Vergingen Corona-Winter und -Frühling doch super schnell, läuft der (Festival-)Sommer wie in Zeitlupe an mir vorbei und streckt mir im Vorbeigehen seinen Mittelfinger ins Gesicht. Zu wissen, dass ich auf Bier-Pong, Flunky-Ball und dreitägiges Wabern zwischen Tag und Nacht noch mindestens ein Jahr warten muss, lässt mich sogar die anstrengenden Besoffskis vermissen, die sich einem unvorhergesehen um den Hals werfen.

Doch nur, weil es Grenzen und Auflagen gibt, heißt das ja noch lange nicht, dass sich auch alle daran halten. Während auf der einen Seite heftig daran gefeilt wird, die Clubkultur mit Hygienekonzepten zu retten, tritt man auf der anderen Seite den wochenlang erarbeiteten Infizierten-Vorsprung mit Füßen. Illegale Partys in Wäldern und Straßen des Bundesgebietes sind die neuen Castor-Demonstranten. Und das Schlimme ist, ich habe sogar Verständnis dafür. Ich bin auch jung und habe keine Lust mehr, zu Hause zu bleiben und die Füße im wahrsten Sinne des Wortes stillzuhalten. Trotzdem will ich nicht dazu beitragen, dass der Festivalsommer 2021 auch noch in Gefahr gerät. Meine Laune schwankt zwischen Verständnis und Rebellion, doch ich habe beschlossen, mich für ein doppelt und dreifach exzessives 2021 zusammenzureißen. Also bewege ich mich im Rahmen des Möglichen und besuche die lokalen Bars und Parks mit meinen Freunden, ohne Teil eines Superspreader-Raves zu werden. Im Prinzip wollen wir ja alle nur, dass es so schnell wie möglich vorbei ist. Das geht halt leider nur nicht mit dem Kopf durch die Wand. Also appelliere ich wie jedes Wochenende an meine Vernunft und sage mir: „Das mache ich nächstes Jahr definitiv wieder!“

Text und Bild: Janna Meyer

Die in dieser Kolumne dargestellten Sichtweisen sind allein der Autorin zuzuordnen und spiegeln nicht die Meinung der gesamten Redaktion wider.

God save the queer

Einmal im Jahr richtet die Welt ihre Aufmerksamkeit auf die LGBTQ+*- Community. Wenn das passiert, ist wieder Pride Month. Kommerziell reiten einige auf der bunten Welle mit und betreiben Pinkwashing. In der Modeindustrie, u.a. bei Ralph Lauren, Levi’s, Burberry oder Diesel wurde der LGBTQ+ Community eine Plattform gegeben und das eingenommene Geld über die Pridekollektionen wurde gespendet, nur bleibt es fraglich ob die Community auch an allen anderen 11 Monaten des Jahres mit einbezogen wird. Dann gab es da noch die die Shitstorms auszuhalten hatten, wie beispielsweise BMW und die bei denen es mit der Solidarität schon vorbei war (siehe Zara), bevor der Monat überhaupt endete. Neben dem ganzen Hype und Kommerz vergessen die Meisten den eigentlichen Ursprung von Pride, der seinen Anfang im Stonewall Inn in New York im Jahr 1969 fand. Die Bar war ein Rückzugsort für marginalisierte Gruppen wie nicht-heterosexuelle Menschen, Sexarbeiter*innen, von Rassismus Betroffenen und Menschen, die aufgrund ihrer Geschlechteridentität diskriminiert wurden. Ebenso wie andere Schwulenbars, hatte auch diese von der New Yorker Alkoholbehörde keine Schankgenehmigung ausgestellt bekommen und die Polizei führte eine Razzia durch. Immer wieder wurden Personen, die bei Razzien aufgegriffen wurden, bloßgestellt und ihre Identitäten zum Teil auch veröffentlicht. Am 28. Juni 1969 widersetzten sich die Besucher*innen nachdem es zu Verhaftungen und einer Räumung kam. Es folgten tagelange Aufstände und Auseinandersetzungen. Diese Aufstände bilden die Grundlage für die heutige LGBTQ+ Bewegung. Inzwischen sind 51 Jahre vergangen und Mensch könnte meinen, es hat sich inzwischen viel verändert. Aber ist dem denn so?

Was passiert eigentlich gerade?

Dass die CSDs in diesem Jahr nicht nur in Großstädten waren, sondern auch in ländlichen Regionen wie Zwickau und Pirna stattfanden, hat mit dem Sichtbarmachen von Ungerechtigkeiten zu tun. Laut Different People e.V. ist dies nämlich ein wesentlicher Teil von Pride: „Sichtbarkeit schaffen, Menschen zusammenbringen, Diversität aufzuzeigen und darum kämpfen, dass alle die gleichen Rechte haben und nicht nur die gleichen Pflichten. […] Es ist ein Zeichen immer noch zu sagen, dass es nicht so ist und ganz viel passieren muss, was eben nur zusammen geht“, beschreibt die Wichtigkeit der CSDs. Das homosexuelle Menschen zum Beispiel immernoch nicht die gleichen Möglichkeiten haben, zeigte sich in der Blutspendedebatte. Seit den 1980er Jahren hat sich dort noch immer nicht viel verändert und schwule sowie bisexuelle Männer dürfen nur unter strengen Auflagen Blut geben. Neben wenig Weiterentwicklung gab es zuletzt auch Rückschritte in Europa. In Polen gibt es LGBTQ+- freie Zonen, die ein Drittel des Landes einnehmen. Im Februar wurden davon sogar große Unterstützer bekannt. Die Biermarken Tyskie und Lech sponsorten und warben in Zeitungen mit Anti-LGBTQ+ Propaganda.

Wie jetzt bekannt wurde, hat die EU Städtepartnerschaften und die damit einhergehenden Fördergelder den LGBTQ+- freien Zonen abgesprochen.

Normalität ist kein Zustand, Normalität wird erschaffen

Ein Kronprinz soll endlich heiraten, um König zu werden. Deshalb hat er ganz viele Prinzessinnen zu sich eingeladen. Wäre da nicht der Bruder von Prinzessin Liebegunde. Die Geschichte ist eine, die über Liebe erzählt und vom Different People e.V. in Kindergärten vorgelesen wird. Was sich zeigt, ist dass die meisten 5-6- Jährigen gar nicht auf das Geschlecht achten, sondern darauf mit wem sich der Kronprinz am besten versteht und das ist dann eben Liebe. Irgendwie schön, dass in dem Alter das Denken nicht von Klischees vereinnahmt wird. Dafür ist es umso schockierender wie es dann in der Schule weitergeht. Das meist genutzte Schimpfwort auf Schulhöfen ist „schwul“. Darauf eingegangen wird selten und auch queere Sexualität spielt in den Lehrplänen keine Rolle. Daran etwas geändert hat jetzt Schottland. Ab dem Jahr 2021 werden die Schüler*innen über die Queer-Bewegungen, den Kampf gegen Homophobie und Transphobie unterrichtet. Was in Deutschland bleibt, ist die Eigeninitiative der Lehrer*innen und die Selbstrecherche. Dazu lernen können wir alle, auch, was unseren Wortschatz anbelangt.

Dass für alle mitgedacht werden sollte um keine*n auszuschließen, hat sich seit längerem schon bei Medien wie der Tagesschau (auf Social Media), den Funk-Formaten oder auch den taz etabliert. Seit kurzem ist Sachsens Kabinett auch in der Neuzeit angekommen. Es wurde beschlossen, dass die Rechtssprache von nun an gendergerecht wird. Das heißt, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau nun auch in den Gesetzen Platz nimmt. Ein kleiner Schritt, der etwas verändert.

Was andere in Sachsen bewegen – queere Bildungsprojekte

Viel Zeit und Arbeit in die Veränderung investieren in Sachsen mehrere Vereine. Ein ganz großer Meilenstein, der von LAG queeres Sachsen gemeistert wurde, ist die Entwicklung einer Studie zusammen mit der Hochschule Mittweida zu Gewalt gegenüber der LGBTQ+-Community. Viel verändert hat diese, weil es zuvor keine aussagekräftigen Zahlen dazu gab, sondern nur Polizeistatistiken. Bei den 369 Menschen die an der Befragung teilnahmen, wurden innerhalb der letzten fünf Jahre 1672 Übergriffe in Sachsen ermittelt. Zum Vergleich: es heißt, dass zwischen 2001 und 2017 beim Kriminalpolizeilichen Meldedienst in Fällen politisch motivierter Kriminalität im Themenfeld „Hasskriminalität“, Unterthema „Sexuelle Orientierung“ insgesamt ganze 55 Fälle in Sachsen registriert wurden. In der Studie stellte sich heraus, dass nur 11% Gewalt anzeigten. Mehr als die Hälfte fühlten sich nicht gut beraten.

Dabei sei hervorzuheben, dass die ganze Studie mit Crowdfoundinggeldern finanziert wurde, weil es vom Bundesstaat Sachsen keine Förderung gab. Doch auch jetzt ist alles nicht so, wie es eigentlich sein sollte. Es wurde gehandelt und mit dem LKA und dem Innenministerium Kontakt aufgenommen. Doch auch wenn es seit 2019 eine zentrale Ansprechstelle beim Landeskriminalamt gab und auch Opferschutzbeauftragte in den Polizeidirektionen Dresden, Zwickau, Chemnitz, Görlitz und Leipzig sitzen, sind diese nicht spezialisiert und zusätzlich dazu ausgebildet.

Quelle: LAG Sachsen

LAG-queeres Sachsen
„Die Landesgemeinschaft Queeres Netzwerk Sachsen e.V. ist der Dachverband der sächsischen Vereine und Initiativen, die sich für die gleichberechtigte Teilhabe von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, trans- und intergeschlechtlichen sowie queeren Menschen in allen Lebensaltern und Lebensbereichen einsetzen. Wir vertreten unsere Mitglieder, ihre Interessen und Bedarfe vor Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft, führen Aufklärungs- und Bildungsveranstaltungen durch und arbeiten an einer landesweiten Vernetzung, um Anlaufstellen und Angebote für LSBTTIQ* zu schaffen.“
Aktiv werden: Lust, in Sachsen etwas zu bewegen? Dann komm als Praktikant*in zu uns in die Fachstelle der LAG Queeres Netzwerk Sachsen. Wir suchen 2020 zum nächstmöglichen Zeitpunkt und darüber hinaus fortlaufend Praktikant*innen, gern aus allen wissenschaftlichen Disziplinen oder Berufsfeldern. Dein Engagement für das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt ist uns aber am wichtigsten info@queeres-netzwerk-sachsen.de
Spenden: https://www.queeres-netzwerk-sachsen.de/spenden

Different People e.V Chemnitz
„Wir sind ein Beratungs- und Kommunikationszentrum für homo-, a-, bisexuell (-romantisch), trans- oder intergeschlechtlich lebende Menschen, deren Angehörige und alle Interessierten. Hier findest du alle Informationen zu Beratung, Bildungsarbeit, Workshops, Weiterbildungen, Öffnungszeiten, Veranstaltungen, Gruppen, Treffs, Gemeinschaft, Gemütlichkeit und dem Vereinsleben.“
Aktiv werden: Für unser Bildungsprojekt „WE simply ARE“ suchen wir engagierte Menschen, die uns im Team unterstützen Chemnitz und Umgebung offener und vielfältiger zu gestalten, Vorurteile und Berührungsängste abzubauen und Diskriminierung zu vermeiden. Deine eigene L(i)ebensrealität ist dabei völlig egal.
Kontakt: eunike.zobel@different-people.de
Spenden: https://www.different-people.de/theme-features/spende
Wir sind auch bei gooding.de, so dass Mensch uns bei jedem Kauf bei Onlineshops (z.B. Lieferando, Ebay, Otto.de…) mit 2-5% unterstützen kann: https://einkaufen.gooding.de/different-people-e-v-42859

LSVD Chemnitz
„Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Sachsen e.V. ist ein Bürgerrechtsverband und vertritt die Interessen und Belange von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI). Menschenrechte, Vielfalt und Respekt – wir wollen, dass LSBTI als selbstverständlicher Teil des gesellschaftlichen Lebens akzeptiert und anerkannt werden.
Voraussetzung für ein selbstbestimmtes und angstfreies Leben ist die volle rechtliche Gleichstellung. Wir treten ein für eine Gesellschaft, die Selbstbestimmung und eine Vielfalt an Lebensweisen als Bereicherung erkennt und wertschätzt.
In den vergangenen Jahren haben wir uns vor allem durch unsere Arbeit in der Coming-out-Beratung für Homosexuelle und die Aufklärung über antihomosexuellen Fundamentalismus einen Namen gemacht. Wir sind darüber hinaus in verschiedenen Projekten tätig, die sich mit Antidiskriminierung, geflüchteten LSBTI*, Homofeindlichkeit in der Gesellschaft und im Sport, Regenbogenfamilien, Arbeitswelt und internationaler Unterstützung von LSBTI* beschäftigen. Wir organisieren Aktionen und Veranstaltungen und sind Ansprechpartner für verschiedene Institutionen.“
Aktiv werden: Du willst Dich engagieren, hast tolle Ideen und Vorschläge für Aktionen und Veranstaltungen oder möchtest uns ehrenamtlich unterstützen? Dann meld Dich bei uns: sachsen@lsvd.de
Spenden: https://sachsen.lsvd.de/aktiv-werden/

Wie du selbst zur Normalität beitragen kannst
Pride ist ein jahrzehntelanger Kampf, der noch nicht beendet ist. Damit sich was verändert müssen wir füreinander einstehen, dazu lernen und in den Protest gehen. Und feiern, dass sich Dinge schon geändert haben.

Hier gibt es noch weiteren Input zum dazu lernen:

Bücher:
Call Me by Your Name von André Aciman
Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde
Queer Heroes von Arabelle Sicardi
Gender-Kram von Louie Läuger
Love Simon Becky Albertalli
Geschlecht wider die Natürlichkeit von Heinz Jürgen-Voß
Trans.Frau.Sein von Felicia Ewert

Filme:
Blau ist eine warme Farbe
Moonlight
Rafiki
Bohemian Rhapsody
Rocket man
Eine geheime Liebe
Happy Birthday, Marsha (auf Amazon schauen, da die Doku auf Netflix dazu ein Plagiat ist https://taz.de/Trans-Aktivisten-kritisieren-Netflix-Doku/!5453095/?goMobile2=1594080000000)

Serien:
Sense 8
Where Pride began
Queer Eye
RuPaul´s Drug Race
Feel Good
Sex Education
Pose

*Aus Gründen der Leserlichkeit haben wir uns für die vereinfachte Form „LGBTQ+“ entschieden, schließen aber auch Inter-, Trans- und A-Sexuelle in unserer Bezeichnung mit ein.

Text: Svenja Jäger
Illustration: Theresa Schultz

Klimaschutz – nur ein Statist im Film 2020?

2020. „Das Jahr ist so dermaßen daneben. Ich finde wir sollten deshalb alle nicht ein Jahr älter werden und Silvester 2021 genau da weiter machen, wo wir letztes Jahr standen“, meinte vor ein paar Wochen eine Freundin nach zwei lauwarmem Balkonbier.

Dieser Satz ist bei mir hängengeblieben. Sie hat Recht und umso mehr wir darüber reden, desto mehr stellen wir fest, dass 2020 bisher durch und durch hängengeblieben ist. Hängengeblieben im Jahr 2009. Im Bundestag wurde über Abwrackprämien gesprochen und ein neues Steinkohlekraftwerk in Datteln in Betrieb genommen. Damals so wie heute geht es um eine möglichst schnelle Stabilisierung der Wirtschaft und auch die Nachhaltigkeit spielt wieder eine Nebenrolle. Oder ist sie sogar nur eine Statistin im Film 2020?

Mit dem Verbot von Demonstrationen zur Eindämmung der Verbreitung des Virus Covid-19 sind die globalen Fridays for Future Straßenproteste der Jahre 2018 und 2019 zwangsläufig leise geworden. Es scheint, als sei damit auch die Klimadebatte in den politischen und gesellschaftlichen Charts abgerutscht. Oder prokrastiniert die Politik im dringenden und wichtigen Krisenmanagement um Covid-19 einfach ein bisschen vor der Arbeit gegen den Klimawandel? Auf eine paradoxe Art und Weise kommen die Maßnahmen um Covid-19 auch dem Klima zugute, sodass die Klimaschutzziele für 2020 eventuell doch erreicht werden können. Weniger Abgase, weniger Flüge, weniger Konsum, aber was passiert danach?

Wie kann man die Wirtschaft ankurbeln, ohne zurück in Konsumwahn und klimaschädliches Verhalten zu fallen? Die Überzeugungsarbeit muss hier die Politik leisten, nicht Covid-19.

Aber auch wenn die Aktivist*innen von Fridays for Future gerade nicht mehr auf den Straßen, oder zur Primetime zu sehen sind – sie sind nach wie vor genauso entschlossen, aktiv und kreativ. Die Straßenproteste der Bewegung finden aktuell über soziale Netzwerke statt. Unter dem Hashtag #NetzstreikFürsKlima posten Menschen Fotos von sich und einem Schild mit einem Statement zum Klimawandel, dazu laufen Kundgebungen im Livestream. Ein Teil der Bewegung, die Students for Future Deutschland, starteten im Mai die erste digitale „Public Climate School“ (PCS), eine offene Hochschule für Menschen, die mehr über Klimagerechtigkeit lernen möchten. Dazu standen weitere wichtige Themen wie beispielsweise Diskriminierung und Feminismus auf dem Programm, den entsprechenden Input lieferten Wissenschaftler*innen und Studierende aus verschiedenen Fachbereichen. Die dritte PCS ist bereits in Planung und wird voraussichtlich Ende des Jahres stattfinden, Updates dazu findet ihr auf der Website von Fridays for Future oder auf den Social Media Kanälen der Bewegung.

Auch in Chemnitz werden die Students for Future seit Anfang des Jahres immer lauter.

Die Bewegung „Students for Future Chemnitz“ solidarisiert sich mit den Werten und Zielen von Fridays vor Future und setzt sich gezielt für eine klimaneutrale Uni ein. Die Initiative organisiert sich in AGs in verschiedenen Bereichen. Die Campus-Mensa AG zum Beispiel möchte gemeinsam mit der Mensaleitung an einer nachhaltigeren Mensa mit regionalen Produkten und weniger Verpackungsmüll arbeiten und die Verkehrs AG setzt sich für einen Ausbau des Fahrradnetzes sowie für einen autofreien Campus ein. Auch an alternativen Protest- und Aktionsformen wird mit viel Einsatz gearbeitet, um auch weiterhin präsent zu bleiben.

Wenn ihr mehr über diese dynamische Initiative und ihre Arbeit erfahren wollt, checkt dieses Video auf YouTube aus und schaut mal auf Instagram: (studentsforfuture_chemnitz) oder Facebook (Students for Future Chemnitz). Wenn ihr Lust habt mitzumachen, kommt Donnerstags um 17:30 vor die Mensa am Reichenhainer Campus, oder nehmt Kontakt per Mail (students4future-chemnitz@posteo.de) auf.

Text: Gastbeitrag von Katharina von Sterni & Sophie Tigges, Mitglieder der Students for Future Chemnitz
Bild: Laura Naumann