Metamorphose des Brühls Teil III: Zukunft

Gegenwärtige Entwicklungen des Brühls zeigen die zunehmende Beliebtheit des Viertels, einhergehend mit steigenden Mietpreisen. Der Restaurantbesitzer Uwe Dziuballa nimmt den Brühl als eine Mischung mit „paradoxem Scharm aus Großstadt, Ruhe, Aufbruch, solide[r] Entwicklung und Experiment – mit neuen (lauten) Veranstaltungen“ wahr.

Marco Henkel, Mitbegründer des Kunsthandels „Kombinat Lump“, bietet seit 2018 mit seinem Team Kunstschaffenden eine künstlerische Plattform. Im Jahr 2018 gehörte „Kombinat Lump“ zu den Preisträgern des Kreativwettbewerbs „Krach“, dadurch wurde den Beteiligten neben einem Preisgeld auch Gewerbefläche kostenlos zur Verfügung gestellt. Ursprünglich waren die Beteiligten an einem Raum in der Spinnerei Chemnitz interessiert. Ein Angebot für Gewerbefläche am Brühl änderte jedoch ihre Entscheidung. Henkel berichtet im Nachhinein froh zu sein, das Angebot angenommen zu haben. Der Kommunikationsbeauftragte und Social Media Experte erlebte mit seinem Team eine willkommene Aufnahme in der Brühlgemeinschaft. Seit 2018 stellt Henkel eine leichte Belebung des Brühls fest, es sei jedoch ein langer Prozess. Er schätzt besonders die Vernetzung der Unternehmen am Brühl und nimmt dadurch ein Gefühl von Zusammenhalt wahr. Durch regelmäßige Treffen der Brühlgemeinde werden zukünftige Veranstaltungen geplant: zum Beispiel ein Weihnachtsmarkt am Brühl. Aufgrund der Covid19-Pandemie und den einhergehenden Kontaktbeschränkungen konnte dieser letztes Jahr nicht umgesetzt werden. Dementsprechend können die Weihnachtsfreudigen unter uns ihre Vorfreude wohl oder übel erst in zukünftigen Vorweihnachtszeiten am Brühl-Weihnachtsmarkt ausleben. So viel sei gesagt: Der Brühl-Weihnachtsmarkt soll sich von dem Weihnachtsmarkt auf dem Kaßberg, sowie dem der Innenstadt unterscheiden. Der Fokus würde hierbei auf den Verkauf von regionalen Produkten gelegt werden. Somit würde Kleinunternehmer:innen aus der Region eine Fläche zum Präsentieren geboten werden.

Der Begründer der Eierlikörmanufaktur Felix Adler sieht „viel Potenzial im Quartier, sowohl in der Mitgestaltung als auch in der Entwicklung“. Er ist sich sicher, dass in den nächsten Jahren „noch einiges passieren wird“. Adler nimmt vor allem das Miteinander der Geschäftstreibenden als Alleinstellungsmerkmal wahr. „Man arbeitet zusammen und nicht gegeneinander.“ Für die Zukunft wünscht sich der Ladenbesitzer die notwendige Toleranz und Akzeptanz, den Brühl weiter „mit Leben zu füllen“. Als größte Hürde beschreibt er das Ausmaß der gegenwärtigen Pandemie. Für die Zukunft des Brühls wünscht er sich „verrückte Ideen und den notwendigen Mut die[se] auch umzusetzen“. Privat wünsche er sich „Gesundheit und glückliche Hühner“.

Im Sommer des letzten Jahres wurde eine Umfrage der Bevölkerung bezüglich der Entwicklung am Brühl durchgeführt. Mit einer, im Vergleich zu anderen Bürger-Umfragen, regen Beteiligung von 30% der Brühl-Bewohner:innen wurde nach den empfundenen Vorteilen, Hürden und Wünschen des  Stadtviertels gefragt. Auf die Frage „Was schätzen Sie besonders am Brühl?“ gaben 26,8 % die Innenstadtmähe, 17,3% den Kiezcharakter, 13,4 % kulturelle Angebote und nur 4,9% das derzeitige „Shopping“-Angebot an. Zukünftig wünschte sich die Mehrheit der Befragten einen Erlebnisraum mit (Außen-) Gastronomie, sowie Spielmöglichkeiten und weitere Veranstaltungen wie Straßenfeste oder Märkte. Zudem wurde die Nachtruhe aufgrund der zustimmenden Ergebnisse der Bürger:innen-Befragung um eine Stunde von 22 Uhr auf 23 Uhr verschoben. Außerdem erwirkte die Stadt Chemnitz in jedem Jahr zwölf sogenannte „seltene Ereignisse“ mit einem höheren Lärmpegel zu gestatten, so ein Pressesprecher. Es würde dementsprechend daran gearbeitet, vermeidbare Konflikte zwischen Bewohner:innen und Geschäftstreibenden zu umgehen, damit die Vision des Brühls als lebendiges, urbanes Viertel umgesetzt werden kann. Für die Zukunft des Brühls bleibt zudem offen, welchen Einfluss die Nominierung der Stadt Chemnitz als Kulturhauptstadt Europas 2025 auf die Entwicklung des Brühls hat.

Die Stadt Chemnitz sieht vor allem die umfassenden Einschränkungen durch die Covid19-Pandemie als Hindernis für das Fortschreiten der urbanen Entwicklungen am Brühl. Besonders leidet hierunter die Gastronomie, der Einzelhandel, Freizeitaktivitäten und zwischenmenschliche Begegnungen.

Letztlich lässt sich nur hoffen, dass die Pandemie weltweit schnell unter den Griff bekommen wird, das gesellige Leben wie gewohnt oder womöglich durch die lange Pause sogar intensiver empfunden wird und mit höherer Wertschätzung stattfinden kann. Niemand kann das momentan genau vorhersagen. Es heißt abwarten. Bis dahin präparieren sich der Brühl und alle Beteiligten sicher in voller Vorfreude auf die Zeiten des gewohnten öffentlichen Lebens ohne Kontaktbeschränkung.

Abb. 1: Fotografiert von der Dachterasse des Studierendenwohnheims am Brühl
Abb. 2: Stillleben am Brühl in Zeiten der Covid19-Pandemie

Text: Lisa Heinemann und Anna Thomas

Fotografie: Lisa Heinemann

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