Black Lives Matter. Und jetzt?

Wie du mit etwas Zeit und Geld politische Entscheidungen treffen kannst

Nachdem #blackouttuesday, Empfehlungen für antirassistische Lektüren und Protestbilder weitestgehend aus unseren Instagram-Timelines verschwunden sind – was bleibt von den vielen offen gezeigten Solidaritätsbekundungen? Was tun, mit dieser ganzen Awareness? Und die bessere Frage: wie kann jede*r mit seinen/ihren* Ressourcen dazu beitragen, dass echte Veränderung eintritt?

Es hilft niemandem, wenn wir uns alle bloß „aware“ und „woke“ fühlen um danach wie bisher mit unserem Leben weiter machen. Denn eigentlich geht es um etwas ganz anderes: echte gesellschaftliche Veränderung. Und diese muss, wie vergangene Befreiungsbewegungen wie die Frauenbewegung gezeigt haben, von unten hart erkämpft werden. Wie auch an der Frauenbewegung zu sehen ist, war echte Veränderung bisher leider ein langwieriger und kleinteiliger Prozess, der jetzt auch nach hundert Jahren immer noch nicht abgeschlossen ist. Die Veränderung trat langsam ein, sobald die Anliegen der Bewegungen in der Mainstream-Politik angekommen, ernst genommen und normalisiert wurden. Aber die Veränderung war und ist damit noch keineswegs abgeschlossen! (auch wenn selbst die CDU gerade versucht, ‚frauenfreundlicher‘ zu werden)

Ein weiteres gutes Beispiel für Veränderung liefert auch die Fridays-for-Future-Bewegung, welche es durch ihre Hartnäckigkeit geschafft hat, den Klimaschutz auf die Agenda der breiten Masse zu setzen. Plötzlich sprechen alle über den Klimawandel, selbst Unternehmen halten es nun für erstrebenswert, einen „grünen“ Ruf zu haben. Auch die meisten Parteien mussten sich mittlerweile mehr oder weniger eingestehen, dass die Notwendigkeit, die Folgen des Klimawandels einzudämmen, nicht einfach eine Ideologie ist, sondern ein ernstzunehmendes gesamtgesellschaftliches Problem. Genauso wie Klimaschutz und Frauenrechte sollte die Auflösung von strukturellem Rassismus und systematischer Diskriminierung von marginalisierten Gruppen auf der breiten politischen Agenda stehen. Die Existenz von strukturellem Rassimus soll allgemein anerkannt werden, um genau diesem entgegen steuern zu können. Es sollten Gesetze verabschiedet werden, die Diskriminierung eliminieren und Lehrpläne sowie Schulbücher überarbeitet werden. Es liegt in der Verantwortung von uns Weißen dieses System, von dem wir jahrhundertelang auf Kosten von Schwarzen profitiert haben, abzubauen.

Und was kann ich als weißer Mensch jetzt tun?

Es ist leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Vor allem, wenn man auf einem bequemen Stuhl sitzt. Ich selbst habe mir diese Frage auch schon sehr oft gestellt: Wie kann ich dazu beitragen, dass der aktuelle Diskurs und die Proteste, wie sie momentan insbesondere auf Instagram und auf der Straße stattfinden, zu tatsächlicher Veränderung führen? Allein diese Frage hinterlässt Ratlosigkeit bei den meisten. Denn die Veränderung eines Systems ist etwas Großes. Allerdings gibt es Dimensionen, auf die jeder Mensch zumindest ein bisschen Einfluss haben kann. Es sind vor allem lokale Organisationen, Vereine und Verbände, die sich für Veränderung einsetzen und aktiv im Interesse von marginalisierten Gruppen arbeiten. Aber leider sind es auch oft lokale Organisation, Vereine und Verbände, denen es an Mitteln fehlt, diese Interessen für sich zufriedenstellend durchzusetzen, weil sie keine staatliche Unterstützung bekommen.

Vor der eigenen Haustür kehren

Lokale Organisationen sind vor allem deshalb wichtig, weil sie auf kommunalpolitischer Ebene Einfluss üben und damit vor Ort Veränderung bewirken. Sie dienen als Auffangnetz für marginalisierte Communities und setzen sich aus Menschen unterschiedlichen Alters sowie unterschiedlicher Gesellschaftsschichten zusammen. Diese Vereine brauchen Unterstützung, um zu überleben. Gerade hier kann das Geld, das wir zur Zeit nicht für Urlaub und Feiern ausgeben, eine große Hilfe sein. Wer noch etwas übrig hat, kann auf vielen Aktivist*innen-Accounts leicht internationale Anlaufstellen finden, mit denen man die Black Lives Matter-Bewegung finanziell unterstützen kann.

View this post on Instagram

Looks like @instagram is up to its censorship game again. We were told by multiple people that intended to tune in for today’s live that they did not even get a notification that we went live and that they couldn’t see we were live at all. Additionally, we’ve had a number of you tell us our posts and stories are not coming up in your feed & that you only see our content when you come to our page. While this is frustrating, we have never let it derail us from the work. . We are sharing with you because this is why it is so important that you engage w/ our content. When you like, comment & share our posts, you help us fight back on how Instagram limits our reach. . It is CRITICAL that we oppose & DISMANTLE systems of oppression but we must also be committed to replacing them with a system of JUSTICE. If you didn’t get to catch the live we did with our brother @djuan____ today, you can still catch it on our IGTV. It’s the most recent upload, titled “Hold Their Feet to the Fire”. . 💫 For those that were able to tune into the live or who have had the chance to watch the replay, we would love to hear your feedback! In the comments for this post, please leave some takeaways or things you learned today 💫 . Here were the questions we covered: . 1. What have we learned from the most recent uprising? What impact has it made? . 2. What can we learn from revolutionaries of the past in regards to what is most effective? . 3. How has revolution been quelled throughout history? Why is it critical that we remain vigilant and prepared for the ways in which systems of oppression will transform and shapeshift? . 4. How can we get tangible results? . 5. How do we sustain & maximize this revolutionary energy? . . If you learned from what @djuan____ was speaking on today & you want to show appreciation for his time, we invite you to send any amount of $$$ to the CashApp he has created specifically for the funding of THE WORK. D’Juan is constantly giving his money, time and resources to important community-lead, justice-oriented organizations. You can grow that impact by sending to: $fundtherevolution

A post shared by NO WHITE SAVIORS (@nowhitesaviors) on

Aber ich habe kein Geld – was jetzt?

Natürlich hat nicht jede*r die finanzielle Möglichkeit zu spenden – und das ist völlig okay. Zeit kann genauso wertvoll sein. Geh mit den Buntmacher*innen von Tür zu Tür und überzeuge Nicht-Wähler*innen, wählen zu gehen. Frage den Kulturverein von nebenan, ob sie noch ein paar Hände gebrauchen können, um ihren Garten umzugraben. Biete Initiativen deine Photoshop-Skills an. Biete Räume an, damit BIPoC-Communities sich untereinander treffen und/oder Workshops halten können. Gib geflüchteten Kindern Nachhilfe. Wenn du Racial Profiling auf der Straße beobachtest: frag den/die Betroffene*n, ob er/sie deine Hilfe braucht und schreite, wenn gewünscht, ein. Hör nicht auf, auf Demos zu gehen. Unterstütze die Demos mit Ressourcen für die Protestierenden, wenn gebraucht. Geh wählen. Hör nicht auf, deinen eigenen internalisierten Rassismus offen zu hinterfragen und sprich darüber mit Freund*innen. Gib BIPoC einen Platz auf deiner Plattform oder an deiner Firma. Helfe mit deinen Konsumentscheidungen, BIPoC sichtbarer zu machen: schaue Filme und lese Bücher von Nicht-Weißen – und zwar nicht nur über Rassismus. Komme in Kontakt mit Menschen, die außerhalb des Radius deines bisherigen Umfelds liegen.
Die Liste mit Dingen, die tagtäglich getan werden können, geht noch unendlich weiter und ist hier auf keinen Fall vollständig. Diese Dinge sind auch nichts, die einfach einmal abgearbeitet sind – sie sollten als Gewohntheit dauerhaft in den Alltag integriert werden. Aber was auch immer du tust: Stelle dich dabei niemals selbst in den Vordergrund, sondern trete zur Seite und mache Platz für Stimmen, die gehört werden sollen.

Da es auch in Chemnitz lokale Organisationen gibt, die wertvolle Arbeit leisten und es in jedem Fall wert sind, auf welche Art auch immer unterstützt zu werden, haben wir hier eine kleine Liste zusammengestellt:

aguia e.V. Migrationssozial- und Jugendarbeit
Selbstbeschreibung: „Mit der Arbeit in unseren Projekten bieten wir Beratung und Betreuung für Migranten an, um Orientierung und Integration zu unterstützen. […] Um Einheimischen und Migranten die Möglichkeit zu bieten, ihre jeweiligen Unterschiede kennen zu lernen, aber auch Gemeinsamkeiten zu entdecken, bieten sich in vielen unserer Projekte Möglichkeiten, Begegnungen und damit neue Erfahrungen zu schaffen. […]
In unseren Projekten der Jugendarbeit finden Kinder und Jugendliche Möglichkeiten, ihre sozialen und interkulturellen Kompetenzen zu stärken, indem sie Erfahrungen mit anderen Kulturen machen und Kenntnisse darüber erlangen, lernen, mit Konflikten und Gewalt konstruktiv umzugehen, und Angebote erhalten, ihre Freizeit sinnvoll zu verbringen.“
Dafür möchte ich spenden!
Ich möchte mithelfen!

Antidiskriminierungsbüro Sachsen e.V.
Selbstbeschreibung: „Als ADB Sachsen arbeiten wir auf der Grundlage des AGG [Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes] und wirken an seiner Weiterentwicklung mit. Wir benennen jedoch Diskriminierung auch dort, wo sie nicht vom AGG abgedeckt wird. Doch Rechte – wie das AGG – müssen bekannt sein, um sie nutzen zu können. Unser Anliegen ist daher: potentiell oder konkret von Diskriminierung Betroffene über ihre Rechte aufzuklären, Multiplikator_innen und Fachkräfte über die bestehenden Möglichkeiten zu informieren, gegen Diskriminierung vorzugehen, sowie langfristig das Bewusstsein für (Anti-)Diskriminierung in der Alltagskultur zu etablieren.“
Dafür möchte ich spenden!

arabischer Verein für Integration und Kultur in Chemnitz e.V.
Selbstbeschreibung: „Der Hauptzweck des Vereines ist die Förderung die Integration der arabischen Gemeinde in Chemnitz in die deutsche Gesellschaft, insbesondere durch Zusammenarbeit in Bildung und Erziehung, Kunst und Kultur. Außerdem fördert der Verein die Unterstützung der positiven Integration der arabischen Kinder in die deutsche Gesellschaft, insbesondere im Bildungsbereich. Weiterhin fördert der Verein die Entwicklung des gegenseitigen Verständnisses und Vertrauens auf freundlicher Basis zwischen den Deutschen und Arabern in Chemnitz.“
Der Verein hat sich u.a. beim „Tribunal NSU-Komplex auflösen“ mit engagiert.
Dafür möchte ich spenden!

Courage – Werkstatt für demokratische Bildungsarbeit e.V.
Selbstbeschreibung: „Das NDC [Netzwerk für Demokratie und Courage] steht für die Ächtung von Rassismus. Wir bestärken den Mut zum Antirassismus in einer von rechten Gedanken beeinflussten Alltagskultur. Es geht uns nicht darum, handfeste Nazis zu bekehren. Wir fordern Zivilcourage jedes_r Einzelnen heraus – nur wer selbst aktiv wird, kann etwas verändern. Wir stärken soziale Kompetenzen wie Empathiefähigkeit, gerade mit Opfern rechter Gewalt und bei Diskriminierung. […] Wir kommen mit Jugendlichen ins Gespräch. Dafür gehen wir an die Schulen, und das ehrenamtlich. Unsere Methoden dafür sind die Projekttage „Für Demokratie Courage zeigen“. In zwölf Bundesländern und in Frankreich werden die Projekttagskonzepte nach einheitlichen und auswertbaren Qualitätsstandards durchgeführt.“
Dafür möchte ich spenden!

Netzwerk für Integration und Zukunft e.V.
Selbstbeschreibung: „Das Netzwerk für Integration und Zukunft e.V. wurde von engagierten Chemnitzern gegründet, die es sich zur Aufgaben gemacht haben, eine positive Willkommenskultur für und mit Flüchtlingen hier in unserer schönen Stadt Chemnitz zu entwickeln.
In unserem Netzwerk arbeiten Unternehmer, Vertreter von Hilfsorganisationen in enger Kooperation mit weiteren Vereinen, Seite an Seite mit ehrenamtlichen und freiwilligen Helfern.
Wir bündeln die jeweiligen Kompetenzen um punktgenaue Hilfe für Flüchtlinge zu leisten.
Langfristig ist unser Ziel, der demografischen Entwicklung in Chemnitz entgegenzuwirken, Flüchtlinge bei ihrem Neuanfang in Chemnitz zu unterstützen, sie gemeinsam mit den Chemnitzer Bürgerinnen und Bürger ins öffentliche Leben, in Vereine und in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Jeder, der uns in diesem Sinne unterstützen möchte, ist herzlich willkommen.“
Dafür möchte ich spenden!

RAA Sachsen e.V. – Support für Opfer rechter Gewalt
Selbstbeschreibung: „Das Projekt „Support“ des RAA Sachsen e.V. unterstützt Betroffene rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt, deren Angehörige und Zeug*innen. Wir unterstützen dabei Angriffsfolgen zu bewältigen und die eigenen Rechte wahrzunehmen. Wir geben Orientierungshilfen und entwickeln gemeinsam individuelle Lösungen. Unsere Arbeit hilft Betroffenen, das eigene Sicherheitsgefühl zu erhöhen, Selbstwirksamkeit zu erleben, die Kontrolle über das eigene Leben zurück zu erlangen und Solidarisierungsprozesse zu fördern. Wir informieren über die Situation Betroffener, machen auf deren Perspektive in Gesellschaft und Politik aufmerksam und berichten über Ausmaß, Folgen und Wirkungsweisen rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt. „Support“ arbeitet parteilich, aufsuchend, kostenlos und vertraulich. Wir betreiben Beratungsstellen in Dresden, Chemnitz und Leipzig sowie eine Onlineberatung.“
Dafür möchte ich spenden!

Antirassistische Initiativen in Chemnitz/Sachsen
Chemnitz Nazifrei
Aufstehen gegen Rassismus Chemnitz
Bündnis gegen Rassismus

BIPoC Organisationen in Deutschland
Women in Exile
Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V.
Each one teache one
Amadeu-Antonio-Stiftung

Antirassistische Bildungsarbeit in Deutschland
Phoenix e.V.
Exit Deutschland – Aussteigerprogramm gegen Rechtsextremismus
Antirassistisch Interkulturelles Informationszentrum Berlin e.V.

Die vorgestellten Organisationen sind natürlich nur eine handvoll der vielen Initiativen, Projekte und Vereine die wichtige Arbeit tun – es gibt viele mehr, die wir nicht nennen konnten, weil diese Aufzählung sonst zu lang und unübersichtlich geworden wäre. Falls Deine Organisation nicht auf dieser Liste aufgetaucht ist oder Du noch weitere kennst, die sich für BIPoC in Chemnitz oder Sachsen einsetzen: schreib uns!

Besser als eine einmalige Spende ist selbstverständlich ein Dauerauftrag. Vielleicht hast du die Möglichkeit, wenigstens 3-5€ im Monat für einen Dauerauftrag an deine Lieblingsorganisation locker zu machen? Und stattdessen das unbenutzte Abo fürs Fitnessstudio zu kündigen? Ich selbst habe meiner Masterarbeit zuliebe meinen Netflix-Account gekündigt. Das gesparte Geld geht an women in exile e.V.

Leider ist die RABBAZ Redaktion selbst sehr homogen und weiß. Wir wünschen uns sehr, diverser zu werden und vielfältigere Perspektiven einzubringen. Du glaubst, du kannst deinen Teil dazu beitragen? Super, schick uns einfach eine Mail an rabbaz.mag@gmail.com, oder schreib uns auf Facebook oder Instagram. Wir freuen uns auf dich 🖤

Verwendete Quellen und/oder Inspiration:
@aaron___philip
@aminatabelli
@gahpextwin
@hoe__mies
@nowhitesaviors
@tupoka.o
@wirmuesstenmalreden
empfehlenswert: how to be an ally guide „BIPOC-White Allies“ von Wir muessten mal reden

Text: Julia Jesser
Foto: Chris Fitch @iamchrisfitch auf einer Black Lives Matter Demo in Zwickau organsiert von @roterbaumzwickau und @aktivisti.zwickau

Zoom me up, Scotty

Die letzten Wochen des ersten reinen Online-Semesters brechen an. Und ich muss sagen: zum
Glück. 2020 schafft mich. Hatte ich doch nie ein Problem mit FOMO, der sogenannten „Fear Of
Missing Out“, bin ich 2020, dem einzigen Jahr, in dem die Welt still steht, vollkommen gestresst.
Ständig wandert mein Blick auf die sozialen Medien, in denen Jungs und Mädels teilen, wo sie
heute vor einem Jahr waren. Vor einem Jahr war mein Leben genauso wie es aktuell ist und
gestört hat es mich nicht. Nun muss ich mich für eine gewisse Zeit einschränken und siehe da, ich
drehe ab. Perfektes Timing. Da kam mir das Online-Semester sehr gelegen. Die romantische
Vorstellung die Quarantäne mit dem Schreiben von Hausarbeiten und Exposés zu verbringen, in
der Hoffnung, es würde mir schneller über die Zeit der Corona-Maßnahmen hinweghelfen, ist
rückblickend auch etwas naiv gewesen. Denn nun sitze ich hier und habe so viele Deadlines, dass
ich mich vor Abgabestress kaum noch retten kann. Und die Zeit vergeht auch nicht schneller.
Mich dünkt, ich habe einen schlechten Deal gemacht.
Der Tatsache geschuldet, dass ich die letzten Semester nicht viel in der Uni war, wollte ich dem
Ganzen ein Ende setzen und das digitale Semester nutzen, um die noch fehlenden Kurse vor dem
Bachelor aufzuholen. Was für ein Fehler. Denn das, was man sich an Fahrtzeiten zur Uni spart,
hole ich mir nun elegant durch doppelten Arbeitsaufwand für die aktive Teilnahme wieder rein.
Eine Präsentation hier, ein kurzer Essay dort und überall ständig diese kleinen schriftlichen
Antworten, die man zu jedem Text einreichen soll. Dafür, dass ich am Anfang noch so ambitioniert
war und stets jede freie Minute genutzt habe, um mich auf die Online-Kurse vorzubereiten, hat
mich meine Motivation doch recht schnell verlassen. Spätestens, als ich entdeckt habe, dass man
ja nicht mal wirklich aktiv anwesend sein muss, um an solchen Online-Kursen teilzunehmen,
schlich sich mein altbekanntes Prokrastinations-Muster wieder ein. Ein ausgeschaltetes Mikro in
Kombination mit einer deaktivierten Kamera stehen symbolisch für meine letzten drei Jahre an der
Uni. Wie war das noch? Ein gutes Pony springt nur so hoch, wie es muss? Nun, in diesem Fall bin
ich ein olympisches Pony.
Ich habe mir nie viel aus der Uni gemacht. War immer ein kleiner Hänger, der seine Zeit lieber fürs
Schreiben oder Schwärmen von einer Zeit nach dem Studium genutzt hat. Was passiert also,
wenn diese Einstellung auf ein Online-Semester trifft, dass zu 80 % auf ein Selbststudium
ausgelegt ist? Sagen wir so, Stand jetzt habe ich noch 90 Texte zu lesen, die ich theoretisch
schon die letzten Wochen hätte gelesen haben sollen und eventuell relevant wären, um mich gut
auf meine bevorstehenden Hausarbeiten vorzubereiten. Aber das soll nicht mein Problem sein.
Darum wird sich Zukunfts-Janna kümmern, wenn sie mit Tränen in den Augen vor den Scherben
des Semesters steht.
So sehr ich es auch feiere, dass ich mir die 50 Minuten Ring- und U-Bahn zur Uni sparen kann, so
sehr freue ich mich auch darüber, dass ich nächstes Semester nur noch den Endgegner
Bachelorarbeit bezwingen muss. Sollte die Zeit an der Uni doch die schönste Zeit des Lebens
sein, war sie für mich bisher im Prinzip auch nicht viel anders als die Zeit am örtlichen
Gymnasium. Der einzige Unterschied liegt darin, dass man halt mehr als dieselben 30 Pappnasen
sieht, denen man sich zu Schulzeiten aussetzen musste. Doch ich will nicht undankbar dem
Semester gegenüberstehen. Hat es mir doch geholfen, dass ich jetzt drei verschiedene Video-
Call-Programme auf meinem Rechner installiert habe und nun Experte darin bin, wie man per
Greenscreen-Funktion einen 5-Sekunden-Lacher generieren kann. Also Leute, in diesem Sinne:
Wir haben es bald geschafft und es kommen auch wieder Zeiten, in denen wir uns das Essen in
der Mensa schmecken lassen können. Bis dahin findet ihr mich online. Also: Zoom me up, Scotty!

Text und Bild: Janna Meyer

Vaginismus – „Mein Problem gibt es übrigens!“

Ich habe mit einer jungen Frau über ihren Vaginismus gesprochen. Sie hat mir aus ihrem Leben erzählt. Davon, was sie mittlerweile über ihr „Problem“ weiß und was es sie zurück gelehrt hat.

Wie erklärst du anderen Menschen deinen Vaginismus so, dass es sich für dich korrekt anfühlt?

Krankheit ist schwierig, Störung ist auch ein sehr negatives Wort. Oft sage ich, ich habe ein Problem. Im Grunde ist das Problem eine Verkrampfung der Scheidenmuskulatur, wodurch sich Penetration sehr schmerzhaft anfühlt oder sogar gar nicht möglich ist. Als ich entdeckt habe, dass ich betroffen bin, gab es dazu nichts im Internet. Ich habe erst sehr spät erfahren, dass es überhaupt einen Begriff dafür gibt.

Die ersten sexuellen Erfahrungen sind in der Jugend meistens ein großes Thema. Wie bist du damals damit umgegangen?

Ich habe damals kaum mit Freunden darüber gesprochen. Mit etwa 18 Jahren war ich in meiner ersten Beziehung, die über ein Jahr ging. Ich habe nie jemandem gesagt, dass penetrativer Sex bei uns nicht funktioniert hat. Ich hatte immer das Gefühl, dass das nicht sein kann und hatte Angst, von meinen Freunden als seltsam abgestempelt zu werden. Dann habe ich mich an meine Frauenärztin gewandt. Sie kannte das Problem bzw. Vaginismus nicht und gab mir den Ratschlag, ich solle einfach versuchen zu entspannen und müsse vielleicht einfach mehr Vertrauen zu meinem Partner aufbauen. Einmal meinte sie, ich solle es mal mit einem Schluck Wein zur Entspannung versuchen.

Das ist wirklich eine fragwürdige Methode, gab es weitere solcher kurioser Vorschläge?

Ja, aber das habe ich aber tatsächlich schon von mehreren Frauen gehört. Meine Ärztin meinte, ich solle mit Tampons und meinem Finger üben, was natürlich auch schwierig war, weil ich da ja gar nicht reinkam. Von anderen Frauen habe ich gehört, dass ihnen geraten wurde, mit Dildos zu üben. Das alles war in Anbetracht dessen, dass es sich ja um eine körperliche Reaktion handelt, die man erst mal nicht kontrollieren kann, nicht besonders hilfreich. Ich hatte damals das Gefühl, da wird etwas auf meine Persönlichkeit abgewälzt, was ich gar nicht bin. Ich habe mich selbst immer als entspannten, fröhlichen Menschen wahrgenommen. Deshalb fand ich es auch super schlimm, dass ich von anderen als verkrampft gesehen werde aufgrund von etwas, das ich mir selbst gar nicht erklären kann.

Gab es damals so etwas wie einen Schlüsselmoment wo du dir klar wurde, dass es eben genauso nicht ist?

Ich habe irgendwann aufgehört, überhaupt darüber zu sprechen. Die Ratschläge meiner Frauenärztin haben mir nicht geholfen. Egal wie entspannt ich war und wie viel Vertrauen ich in meinen damaligen Partner hatte, es hat sich nichts geändert. Nach dem Abitur war ich im Ausland, dort habe ich erstmal unbewusst versucht, allem aus dem Weg zu gehen, was irgendwie mit Sexualität zu tun hatte. Ich habe mein Problem verdrängt. Als ich wieder zurück war und ein Studium begonnen hatte, kam es seit langer Zeit mal wieder zu einer Situation, in der ich mit einer Person intim werden wollte. Da wurde ich plötzlich wieder extrem damit konfrontiert. Ich war auch wegen der einseitigen Ratschläge meiner Frauenärztin davon ausgegangen, dass die Verspannung ein mentales Problem war, dass etwas mit meiner Beziehung zu tun haben musste. Deswegen dachte ich wohl irgendwie, dass sich das nach all der vergangenen Zeit vielleicht einfach von selbst gelöst hätte. Dem war aber nicht so. Vor dem Schlüsselmoment gab es dann also erst mal diesen Schockmoment.

Und wie bist du dann damit umgegangen?

In einer zufälligen Situation hat mir eine junge Frau von ihren Problemen mit Penetrationssex erzählt, ohne dass sie wusste, dass ich dasselbe Problem habe. Wir kannten uns kaum und das war irgendwie super krass in dem Moment, weil ich gesehen habe wie offen sie darüber spricht. Sie war eine sehr lebensfrohe, selbstbewusste Person und wirkte in keiner Weise verkrampft. Sie wusste auch nicht, was Vaginismus ist, aber wir haben lange über unsere Erfahrungen gesprochen und festgestellt, dass sie sehr ähnlich sind. Durch diese Begegnung habe ich gemerkt, wie sehr es mir hilft, darüber zu sprechen. Auch wenn es anfangs schwerfiel, habe ich das dann auch immer mehr getan. So habe ich auch mehr von Frauen erfahren, die von ähnlichen Problemen betroffen sind. Zu diesem Zeitpunkt war ich 21 Jahre alt. Über eine Freundin erfuhr ich dann von einem Kurzfilm über das Thema Vaginismus. Sie hat mir den Trailer gezeigt und ich musste total weinen, das hat echt etwas in mir gelöst. Es war das erste Mal, dass ich ein Wort dafür hatte. Dann habe ich einen Artikel darüber gefunden, den ich erst mal allen meinen engen Freund*innen geschickt habe. Die waren auch erstaunt darüber. Für mich war das ein kompletter Plot Twist. Ich konnte sagen „mein Problem gibt es übrigens!“.

Das war bestimmt ein sehr befreiender Moment. Wenn man so persönliche bzw. intime Probleme benennen kann, erleichtert das auch darüber zu sprechen?

Ja total, das hat mir echt eine Last abgenommen. Ich hatte das Gefühl endlich weiter zu kommen. Ich hatte etwas gefunden, wie ich mich erklären konnte.

Erschreckend, dass dir auf diesem Weg keine Ärzt*innen weiter helfen konnten.

Ich habe mir einige Artikel dazu durchgelesen und auch Ärzt*innen darauf hingewiesen. Dennoch habe ich nie die Diagnose „Vaginismus“ bekommen. Auch die Behandlung habe ich mir durch den Kontakt mit anderen Betroffenen komplett selbst erschlossen, dazu habe ich keine Beratung bekommen. Ich habe mir ein Set mit Dilatoren in verschiedenen Größen bestellt und damit angefangen zu „üben“. Bald schaffte ich es, den allerkleinsten, der etwa Tampongröße hatte, einzuführen. Dann ging es langsam auch mit den größeren Dilatoren immer besser. Vaginismus ist sehr wenig erforscht und es gibt viele Frauen, die nie darüber sprechen, weil sie sich dafür schämen – deshalb ist er wahrscheinlich auch vielen Ärzt*innen unbekannt.

Gibt es unterschiedliche Formen und Ausprägungen von Vaginismus?

Ja, grundsätzlich unterteilt man zwischen primärem und sekundärem Vaginismus. Primär bedeutet, dass das Problem im Prinzip schon von Geburt an da war. Viele merken das dann zum ersten Mal beim Versuch Tampons zu verwenden. Der sekundäre „erworbene“ Vaginismus entsteht später, oft ausgelöst durch traumatische Erlebnisse wie Vergewaltigungen aber auch zum Beispiel nach Geburten. Schon seit Längerem bin ich in einem Austauschforum für Betroffene aktiv. Dort werden die verschiedensten Geschichten erzählt. Eine Frau erzählte, dass sie in ihrer Beziehung zu Beginn ganz „normal“ Geschlechtsverkehr haben konnte, bis es dann nach ein paar Monaten gar nicht mehr ging – ohne, dass es einen klaren Auslöser gegeben hätte.

Du hast vorhin kurz durchklingen lassen, dass du selbst einen Blog zu dem Thema gründest, in dem betroffene Frauen über das Thema schreiben.

Es gibt bereits ein paar gute Plattformen zum Austausch. Zum Beispiel eine internationale Facebook-Gruppe wo sich Betroffene verbinden können. Über eine weitere deutsch-österreichische Facebook-Gruppe mit knapp 100 Mitgliedern habe ich nun Kontakt zu einer Frau aus Wien aufgenommen die auch eine Selbsthilfegruppe für Frauen mit Vaginismus gegründet hat. Gemeinsam mit ein paar anderen Frauen möchten wir nun einen Blog gründen. Ich hoffe das klappt, denn ich merke, dass es auch für andere sehr wichtig ist, darüber sprechen zu können. Viele betroffene Frauen hatten überhaupt keinen Zugang zu Informationen für Behandlungen oder Kontakt zu anderen Betroffenen, als sie ihren Vaginismus entdeckten. Jetzt wollen wir vermeiden, dass sich noch mehr junge Mädchen so fühlen, als seien sie mit ihrem Problem allein auf der Welt.

Das ist jetzt noch mal eine sehr persönliche Frage. Wie gehst du damit heute damit um, wenn du mit Menschen intim wirst?

Das ist immer noch sehr schwierig, weil es auch Situationen sind, in denen man sich oft generell sehr verletzlich fühlt. Ich versuche Situationen zu meiden in denen ich mich von einer anderen Person unter Druck gesetzt fühle und nicht wirklich ehrlich sein kann. Ich muss mein Problem auf jeden Fall immer zur Sprache bringen und das erfordert natürlich Überwindung. Meistens versuche ich erst mal herauszufinden, ob die Person schon einmal von Vaginismus gehört hat. Ich habe das Gefühl, was das angeht ist in den letzten zwei Jahren viel passiert. Das Thema wird ja auch in bekannten Serien, wie zum Beispiel Sex Education oder auch Unorthodox angesprochen. Für die meisten ist es dennoch ein komplett unbekanntes Ding – und das macht es schwer, zu erklären.

Was hilft dir im Umgang damit am besten?

Am meisten geholfen hat mir eigentlich die Erkenntnis, dass ich nicht alleine bin mit meinem Problem, dass es viele Betroffene gibt, und dass es überwindbar ist. Wichtig ist, in Ruhe mit den Dilatoren zu üben und zu wissen, worauf man wie reagiert, sich keinen Druck zu machen, wenn das „Training“ mal nicht klappt und sich die Zeit zu nehmen, die man braucht. Selbst- und Fremdkontrolle spielt da auch eine große Rolle. Ich habe auch von Frauen gehört, die das Dilatorentraining mit ihrem Freund zusammen gemacht haben, um auch zu lernen, die Kontrolle abzugeben. Auch Atemtechniken können helfen.

Viele Frauen haben ein ziemlich entfremdetes Verhältnis zu ihren Geschlechtsorganen bzw. haben sich einfach nie wirklich damit vertraut gemacht. Glaubst du das unser gesellschaftlicher Umgang mit dem Thema eine Rolle dabei spielt?

Ja, ich denke schon. Dennoch gibt es auch in dieser Hinsicht sehr aufgeklärte Frauen, die das Problem trotzdem haben. Es ist also nicht davon abhängig. Ich erinnere mich aber daran, dass wir Biounterricht nichts über die Funktion der Geschlechtsorgane gelernt haben, nur eben wie sie beschriftet werden. Oft wird die eigene Vagina wie ein verbotener Bereich behandelt mit dem man sich als Frau nicht beschäftigen soll, der aber doch ein Teil des Körpers ist. Als ich mit meiner Frauenärztin damals darüber gesprochen habe, weiß ich noch wie unangenehm mir das war und dass ich mir als ich zu Hause geübt habe öfter gedacht habe „Das ist total komisch, was ich mache“ was eben auch zeigt wie krass tabuisiert das Ganze ist.

Auch Männer wissen zu wenig über die weibliche Sexualität. Warum lernt man im Sexualunterricht eigentlich nicht wie man guten, sicheren Sex hat? Würde das Leben enorm erleichtern, haha. Naja back to topic, hast du zum Abschluss vielleicht noch ein paar Tipps zu Inhalten, die du empfehlen kannst, um sich mit der Thematik weiter auseinander zu setzen oder auch für Frauen die Hilfe suchen?

Ja, total haha. Und ja klar! Erstmal die beiden Serien Sex Education und Unorthodox. Dann gibt es gibt eine sehr gute und ehrliche Folge des YouTube-Kanals „auf Klo“ zu dem Thema. Bzgl. Accounts und Plattformen gibt es auch schon Einiges: Eine Bekannte von mir hat den Instagram Account (vaginismus.hilfe) erstellt. Die Facebook-Gruppe von der ich vorhin gesprochen habe, heißt „vaginismus support group“ Darüber können sich z.B. Betroffene mit anderen Betroffenen verbinden die in der Nähe sind, und auch über Behandlungen austauschen. Außerdem gibt es die Instagram Accounts invisible.wall.vienna und pelvic_flawless. Die meisten Accounts sind noch sehr jung, aber es kommen immer mehr dazu! Diese Entwicklung freut mich sehr, und ich hoffe, dass sich in Zukunft weniger Mädchen wie Aliens fühlen und mehr Informationen zum Thema finden, als ich damals.

Text: Katha von Sterni

Illustration: @marydoesartstuff

Harte Zeiten für unsere Clubkultur

Wie die ausbleibenden Bässe unsere Szene bedrohen

Dass sich die Chemnitzer Szene schon vor dem Ausbruch des Coronavirus schwergetan hat, ist kein Geheimnis. Der Wunsch nach Spätis und einem musikalischen Veranstaltungsangebot, das nicht vorwiegend nur aus Indiepop-Bandauftritten besteht ist älter als so manch immatrikulierte*r Student*in. Der alte Hut, die ewige Chemnitzer Leier, es nervt. Ob nun das fehlende Angebot oder mangelnde Nachfrage schuld seien oder ob man es uns einfach nicht recht machen kann, darüber lässt sich streiten. Vielleicht ändert das übernächste Paula Irmschler Buch oder die nächste Kummer Kassette mit Trettmann Feature etwas, die Hoffnung soll man ja nie aufgeben.

Das Kommen und Gehen in der Chemnitzer Clublandschaft kennt auch das Künstler*innen-Kollektiv Reset, mit denen ich über die aktuelle Situation gesprochen habe. Wie viele sehen sie einen Grund für das Schließen vieler Clubs in der geringen Anzahl junger Menschen in Chemnitz. Doch sie sehen auch wie eine Szene immer facettenreicher wird und stetig wächst.

Viele Clubs, so das Kollektiv, finanzieren sich von Party zu Party und stecken viel Liebe und Eigeninitiative in ihre Projekte. Rücklagen oder Gewinne haben dabei keine Priorität. Die Auswirkungen des Coronavirus treffen die Szene daher besonders. „Es wäre einfach zu traurig, wenn Chemnitz durch dieses Tief wieder bei null anfangen müsste und verlieren würde, was sich so viele Leute in Kleinprojekten und im Kollektiv hart erarbeitet haben.“ Die Drohende Gefahr spüren alle Mitglieder des Kollektivs: Von festen und angehenden DJ‘s über Veranstaltungstechniker*innen bis hin zu Gestaltungs- und Dekorationskünstler*innen, denn viele beziehen ihr Einkommen hauptsächlich aus dieser Branche und sind von Kooperationen mit Clubs, sowie der Festival- und Open-Air-Saison abhängig. Für das Reset-Kollektiv zählt nun vor allem Solidarität und Zusammenhalt: „Chemnitz reagiert, es wird improvisiert und es wird im Kollektiv gehandelt.“ Der Schlüssel liegt dabei für die Künstler*innen in der Kommunikation, denn ohne diese gäbe es keine Kooperation und somit auch keine Gemeinschaft. Man ergreift alle Möglichkeiten, um der Kunst in dieser Zeit Raum zu geben und verlegt die Partys eben kurzerhand per Livestreams ins Wohnzimmer, wie bei Atomino TV oder Oberdeck meets Reset. Solidarität heißt für das Reset-Kollektiv aber auch Auflegen ohne Gage, wenn den Clubbetreiber*innen das zahlende Publikum fehlt. Man hält eben zusammen.

Auch das Transit kämpft gegen die Auswirkungen der Krise. Am Wochenende des Shutdowns wäre der 2. Geburtstag des Clubs mit 30 Künstler*innen gefeiert worden. Das transit-Team sieht die Krise jedoch auch von Seiten der Clubbesucher*innen: „Kulturell bieten Clubs einen Ort der Sozialisierung, hier werden Barrieren abgebaut und Freundschaften über Gemeinsamkeiten geknüpft. Durch das Kontaktverbot leiden also vor allem unsere Gäste.“ Damit freischaffende Künstler*innen die Krise überstehen können, wünscht man sich auch hier wirkungsvolle Unterstützung von Seiten der Politik. „Sachsen ist das einzige Bundesland, in dem es aktuell nur Kredite und keine Zuschüsse für solo-selbständig arbeitende Personen gibt. Wir hoffen, dass sich gerade hier zeitnah etwas tut. Es verlieren schon jetzt Künstler*Innen ihre Lebensgrundlage.“, erklärt Christian vom Transit. (Anm. d. Red.: Der sächsische Landtag hat mittlerweile Fördergelder in Höhe von zwei Millionen Euro bewilligt*) Um die Existenz des Clubs in den kommenden Monaten zu sichern wird man kreativ und setzt wie viele andere Chemnitzer Clubs auch auf die Unterstützung der Feiernden. Selbstgemachte Spendengegenleistungen wie Tabakbeutel, sowie ein Soli-Ticket, das die gesamte Chemnitzer Szene unterstützt sind Möglichkeiten unsere Szene am Leben zu halten.

Bereits vor der Corona Zeit sah man in den letzten Jahren einen Trend in der Kultur- und Feierszene, der vielen Nachtschwärmer*innen Sorgen bereitete. Clubs, Bars und andere Sammelbecken für Kreative und Kulturschaffende werden von ihrem rechtmäßigen Platz im Stadtbild verdrängt oder müssen schließen. Der Grund für die Schließung solcher Freiräume liegt manchmal in steigenden Mieten und profitorientierten Investoren, wie im Falle der Grießmühle in Berlin, manchmal aber auch einfach in Problemen mit Genehmigungen und Anwohner*innen wie bei der Coffee-Art-Bar hier in Chemnitz. Die Forderungen der Clubbetreiber*innen und Kulturschaffenden sind meist ähnlich: Die Politik muss agieren und aktiv zum Erhalt der Szene beitragen. Selbes gilt besonders jetzt in Zeiten einer Krise, denn der Erhalt dieser Freiräume, die selbstverständlich nicht immer in unsere gewinnorientierte kapitalistische Welt passen, ist mindestens so wichtig wie milliardenschwere Finanzspritzen für große Unternehmen. Wir brauchen die Szene, ganz besonders hier in Chemnitz, denn sie gehört genauso zum Kulturgut wie Museen und Theater. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Einsicht nicht zu spät kommt.

Hier könnt ihr die Chemnitzer Clublandschaft mit einem Soli-Ticket unterstützen:

*Quelle: https://www.mdr.de/sachsen/dresden/dresden-radebeul/corona-sonderprogramm-kuenstler-sachsen-100.html Stand 22.04.2020

Text: Jan Hilbert

Bild: pasevichbogdan | Pixabay

Mit „Superbusen“ durch den Bazillentunnel und über Chemnitz hinaus

Paula Imschler beschreibt Emotionen, die alle Chemnitzer*innen ob Student*innen oder nicht nur allzu gut nachempfinden können. So wie die Geschichte vieler Studierenden, beginnt auch die von Gisela. Sie zieht wegen zu schlechter Abinoten und den billigen Mieten hier her. Chemnitz und der Studienanfang bedeuten für sie Neuanfang, alles auf null. Mit der Zeit entdeckt Gisela die schönen Ecken der Stadt und findet Freundinnen mit denen sie alles gemeinsam durchsteht. Von wilden Partynächten, ja auch die gibt es hier, über Demonstrationen gegen rechts oder auch die erste Abtreibung. An vielen Passagen des Buches fühlt man sich abgeholt. Egal ob es der Bazillentunnel ist, durch den man vor allem nachts lieber rennt als schlendert oder tröstliche Kuchengespräche bei Emmas Onkel. Irgendwann hat sich Gisela so richtig eingelebt und eines morgens beim Katerfrühstück kommt ihr die Blitzidee mit ihren Freundinnen eine Frauenband zu gründen. Als „Superbusen“ touren sie gemeinsam durch ein paar Städte, versuchen mit dem was sie machen etwas zu bezwecken, sich auszuleben und glücklich zu werden. Daran hat die Musik ihren Anteil, aber auch die Rebellion gegen die Ungerechtigkeiten auf dieser Welt. Wenn Paula Irmschler eins schafft, dann ist es in nur einer Geschichte Popmusik, Feminismus und Politik so zu vereinen, als würde man gerade gemeinsam in der WG-Küche nach einer durchzechten Partynacht Gespräche führen, die ehrlicher nicht sein könnten. Gespickt wird die Geschichte mit der ein oder anderen Songzeile von stadtbekannten Musikern und Bands. Doch wo bleiben dabei die Frauen? Warum kommen diese in einem feministischen Buch nicht vor, wenn doch das zum Problem der Unterrepräsentiertheit beiträgt. Auch die Chemnitzer linke Szene, die verschiedene Ecken der Stadt bunter strahlen lässt mit Küfa über politische Vorträge und Aktionen bleibt in der Geschichte außen vor. Dennoch ist es ein reales Bild, welches die Autorin zur Stadt zeichnet. Es zeigt die Chemnitzer Hassliebe in all seinen Facetten. Alle Weggezogenen werden mit dieser Geschichte in Melancholie schwelgen. Alle Hiergebliebenen werden sich fühlen, als könne Paula zum Teil Gedanken lesen, zumindest wenn sie keine Insider*innen sind. Superbusen ist eine Liebeserklärung an Chemnitz, die abgefuckter und wahrer nicht sein könnte. Denn das was hier passiert ist oft scheiße, teilweise gut und die Mischung ist eine, die man anderswo vermissen wird. Zumindest für eine Weile.

Text: Svenja Jäger
Bild: Julia Küttner

Don’t be afraid to care! Wie du dich Rassismus entgegenstellen kannst.

Es gibt Rede- und Handlungsbedarf. Darüber, dass wir ein Rassismusproblem in unserer Gesellschaft haben. Darüber, dass jetzt jeder an der Reihe ist, seine eigenen Privilegien zu hinterfragen. Mit Hanau steht das ganze medial stark im Fokus, aber es muss mehr bleiben. Die Thematik ist klar, Diskriminierung jeder Art und Rassismus auf jeder Ebene bedeuten Opfer.

Wenn wir uns am Diskurs beteiligen wollen, müssen wir beginnen uns die simpelsten Fragen zu stellen und uns mit jeder einzeln auseinanderzusetzen. Apolitisch sein ist keine Option. Wir alle sind Teil dieser Gesellschaft und haben damit entsprechende Verpflichtungen nachzukommen. Jedes Schweigen ist ein Nein und das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Betroffenen und für unsere Demokratie! Es bedeutet, dass es nicht so schlimm ist. Auch dagegen sein reicht nicht mehr, wir müssen das Problem strukturell angehen.

Wenn wir von einer weißen Mehrheitsgesellschaft sprechen, ist das kein Angriff! Es dürfen aber nicht die immer selben Menschen sein, die im Diskurs dazu laut werden. Keiner von ihnen steht in der Pflicht, auf Grund seiner Betroffenheit zu erklären. Schafft euch die Grundlagen zum zuhören und mitreden, verhandeln und diskutieren. Das bei einem so komplexen Thema der Einstieg schwerfallen kann, stellen wir nicht in Frage.

Rassismus ist nicht immer Vorsatz und nicht nur das grausame Verbrechen eines Individuums. Um Rassismus zu entlarven und aktiv eine Veränderung herbeizuführen, braucht es einem neuen Umgang mit der Thematik.

# Gesicht zeigen

In Situationen wie der in Hanau, ist zunächst nichts wichtiger als sich präsent zu zeigen und zu solidarisieren. Frag deine Mitmenschen wie es ihnen damit geht, ob sie etwas benötigen. Biete ihnen deine Hilfe an, zeige dich. Und wenn du glaubst das dir die richtigen Worte fehlen, reicht manchmal auch hinhören. Eva Schulz von Deutschland 3000 etwa, hat eine Karteikartenbox, in der sie Aussagen zu unterschiedlichen Themen sammelt. Auch das ist eine Möglichkeit an komplexere Themen heranzutreten.

# Bildet euch – eine Diskussionsgrundlage

Verbringt eure Zeit auf Social Media doch auch einmal auf anderen Accounts. Es gibt eine Vielzahl an Personen und Formaten, die privat und institutionell Aufklärungsarbeit gegen Rassismus leisten. Uns haben sie geholfen gewisse Themenpunkte besser zu verstehen oder auch mal die Perspektive zu wechseln. Beiträge liken ist toll, reicht aber nicht. Swiped auch mal nach oben und nehmt euch die Zeit für den ein oder anderen Beitrag der länger ist.

@a_aischa                                              @tupoka.o

@alice_haruko                                       @nowwhitesaviors

@wanalimar                                           @officialronny1

@helen_fares                                          @dariadaria

@duzentekkal                                         @aminatabelli

@amaniabuzahra                                   @salwa.benz

Für eine bessere Diskussionsgrundlage und mehr Hintergrundwissen empfehlen wir euch außerdem diese Bücher:

Hengameh Yaghoobifarah & Fatma Aydemir: Eure Heimat ist unserer Albtraum

Alice Hasters: Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten

Theodor Adorno: Aspekte des neuen Rechtsradikalismus

Carolin Emcke: Gegen den Hass

Tuboka Ogette: Exit racism

Noah Sow: Deutschland Schwarz Weiss der alltägliche Rassismus

Und damit wirklich keiner eine Ausrede hat, weil er lieber reinhören möchte. Auf Spotify findet ihr:

Weißabgleich – taz Podcast von Poc

DiversityFM – Der Podcast

Tupodcast

Kanackische Welle

# Sprecht es aus

Oft gibt es die Möglichkeit bei Podiumsdiskussionen vorbei zu schauen oder mit Menschen, die sich in der Materie bewegen ins Gespräch zu kommen.  Eine Workshopreihe, die sich konkret mit Rassismus auseinandersetzt, ist „Become an Ally“. Dieser Workshop ist für alle die selbst von Diskriminierung nicht betroffen sind, sich aber aktiv dagegen einsetzen wollen und nach Handlungsstrategien suchen. Infos zu den nächsten Veranstaltungen findet ihr auf der Seite der Rosa Luxemburg Stiftung.

Orte in Chemnitz, an denen öfters Vorträge und Diskussionen stattfinden sind unter anderem:

Club der Kulturen

Das Odradeck

AJZ

Subbotnik

Arthur e.v

Außerdem:
Sprecht mit euren Familien, Freund*innen, Arbeitskolleg*innen. Selbst wenn nicht alles immer unbedingt eurer Meinung entspricht, regt es dazu an, andere Perspektiven zuzulassen und vielleicht neue Grundlagen zu finden.  

#4 Verändert was

Wenn ihr nun an dem Punkt angelangt seid, etwas verändern zu wollen und euch einzubringen, könnt ihr das z.B. hier tun:

Buntmacher*innen

Chemnitz Nazifrei

Horizont Magazin

Chemnitzer Jugendforum

Aufstehen gegen Rassismus

Habt keine Angst etwas „falsch“ zu machen. Wir haben tausendfach wiederholt, wie wir denken und reagieren und uns Routinen geschaffen. Wir sind darauf konditioniert uns sicher fühlen zu wollen und darin liegt vielleicht ein wenig die Herausforderung. Hinterfragt euer Normal, eure Reaktionen, eure Routinen.

Zu keinem Zeitpunkt und keinem Weltgeschehen, sollten wir aufhören uns Gedanken zu machen, zu hinterfragen und füreinander Da zu sein. #Wirsindmehr, wenn wir aufeinander zugehen können, ohne Missionierungsauftrag, ohne die eine Wahrheit, aber mit Empathie für den Anderen.

Text: Sibel & Svenja

Illustration: Julia Kütter 

STAUNT – Chemnitz zeigt Haut!

Staunt-Festival

Die die charakteristisch griesgrämige Chemnitz-Visage haben wir alle mittlerweile bestens drauf – aber habt ihr schon mal versucht aktiv zu Staunen?

Vom 16 – 19 April zieht das STAUNT-Festival durch die verschiedenen Viertel der Stadt. Vom Zentrum über den Sonnenberg, den Kaßberg und den Brühl. An jedem der vier Tage liegt der Fokus auf einem anderen Stadtviertel. Das Ziel: die freie Kulturszene dort ausziehen und Menschen unterschiedlicher Gesellschaftsblasen und Generationen anziehen. Die Stadt lässt ihre mysteriösen Hüllen fallen und zeigt, was sie sonst gerne versteckt, solange man nicht aktiv danach fragt. Es wird kontrastreich und spannend!

Das Festival ist ein Projekt der Bordsteinlobby

Vor etwa einem halben Jahr haben wir uns das erste Mal mit diesen lieben Menschen getroffen und sie zu ihren Zielen und Visionen gelöchert.

„Chemnitz ist keine Stadt, in der einen alles anspringt – man muss sich selbst einladen. Das möchten wir den Menschen erleichtern, die nicht die Energie, Zeit und Motivation dazu haben.“

„Chemnitz findet sehr dezentral statt, es gibt nicht diese eine Straße in der sich nachts 800 Leute tummeln. Wir haben uns gefragt, wie man es schafft, das offen zu legen.“

„Es geht darum, darüber zu staunen was es hier gibt, sich zu verbinden und Mobilität zwischen den Stadtvierteln herzustellen.“

„Wir möchten Konsumieren und Partizipieren mit einander verbinden – Fußspuren hinterlassen, die anderen den Weg weisen.“

Eine Übersicht der einzelnen Veranstaltungsorte sollen auf einer digitalen kulturellen Stadtkarte sichtbar gemacht werden, die auch in Zukunft abrufbar bleibt und erweitert werden soll. Die Dezentrale – ein Informationsstand auf Rädern – begleitet das Festival durch alle Stadtteile. Für das extra Plus an Euphorie sorgen Küfa und Kekse!

Safe the date Leute! – das Festival ist eine super Möglichkeit, neue Lieblingsorte in der Stadt zu entdecken!

Hier ein paar Spoiler zum Programm

Sonnenberg (17.04.20):

Fritz Theater Stück „Clownocchio“ – ein Clownsmärchen (Komplex Theater, Vormittag): Pepeto und Immobile sind zwei Clowns, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Pepeto geht jeden Morgen brav in die Schule, während Immobile es vorzieht den lieben langen Tag in seiner Kiste herumzufaulenzen. Eines Tages kommt Pepeto mit einer besonderen Hausaufgabe nach Hause. Er soll eine Marionette basteln, nur leider ist Pepeto handwerklich nicht so geschickt. Also beschließt er kurzer Hand, Immobile als Marionette einzusetzen und ihn als selbstgemachte Puppe der ganzen Klasse vorzuführen. Was meint ihr, wie Pepeto erstaunt ist, als im plötzlich eine lange Nase wächst und Immobile tatsächlich zu einer Marionette wird? Und so befinden sich die beiden mitten in der Geschichte des hölzernen Bengele Pinocchio. Pepeto und Immobile müssen erkennen, dass Faulheit, Lügen und Ungehorsam nicht ungestraft bleiben. Aber da die beiden, bei allem Eigensinn, doch das Herz am rechten Fleck haben, gelingt es ihnen, wieder zwei ganz normale Clowns zu werden, die vielleicht ein Stück erwachsener geworden sind.

Druckworkshop im FabLab Chemnitz Nachmittag (3D Druck, T-shirts und Co. bedrucken)

Stadtteilspaziergang zum Thema Nachhaltigkeit über den Sonnenberg von Rene Bzdok (Stadtteilmanager)

Kaffeesatz: Vorstellung der Stammtische die sich im Kaffeesatz treffen (z.B. Fotografie-Stammtisch)

 

Kaßberg (18.04.20):

Frühstücksbrettchen Aufwertung im Holzkombinat (im neuen Gebäude auf der Schiersandstraße) mit Frühstück, 08-10:00)

Keramikworkshop im Stadtteilgarten Bunte Erde auf dem Kaßberg (16-18:00, mit Anmeldung): In der Keramikwerkstatt können die BesucherInnen unter Anleitung eines portugiesischen Keramik-Künstlers schöpferisch tätig werden. Sie können Mosaiken und Fliesen aus Ton herstellen. Die Werke können als kleine Insektenhäuser, Pflanzschilder oder als Wandschmuck verwendet werden. Alle Objekte werden später in der Werkstatt des Künstlers gebrannt, glasiert und nochmals gebrannt. Danach können die kleinen Werke im interkulturellen Garten abgeholt werden.

Lampion Upcycling Workshop – mit Donna Quijote (17-20:00): Mit den unterschiedlichsten Materialien wollen wir kleine und große Lampions und Leuchtobjekte bauen und basteln. Gemeinsam mit „Donna Quijote“ recyclen wir aus Dingen die sonst weggeschmissen werden. Objekte, um die Stadt zum Leuchten zu bringen. Mit Tischkicker, Tischtennisplatte, Musik und leckerem Essen lädt der frühe Abend im Haus Arthur nicht nur zum Basteln, sondern auch zum Verweilen ein. Ein Workshop für Alle egal ob klein oder groß, jung oder alt. Der Workshop ist umsonst.

Lampionumzug „Irrlichter auf dem Kaßberg“: Nachdem sich die Dunkelheit über Chemnitz gelegt hat, der Workshop vorbei ist und die Lichterketten, Leuchten und Lampen angeschaltet sind, wollen wir uns auf einen Spaziergang begeben. Mit euren Upcycling-Lampions, Leuchtobjekten und auch gern mitgebrachten Laternen erhellen wir die Wege mit bunten Lichtern. Auf dem Weg begegnet uns Straßenkunst und überraschende Aktionen die uns zum staunen bringen. Der Umzug ist für Alle egal ob klein oder groß, jung oder alt. P.S. Alle die nicht beim Lampion-Basteln dabei waren, können sich gernmit eigenen Lampions anschließen.

Nach dem Umzug: Konzert im Aaltra mit der Band Sound of Amarula

 

Brühl (19.04):

Dialogbazar mit den Buntmacher*innenAnregende Gespräche, unerwartete Begegnungen, Spiel und Spaß für euer A und O – das erwartet euch auf dem Dialogbazaar in der Staunt-Variante der Buntmacher*innen. Und dazu reichen wir natürlich Kaffee und Kuchen mit Überraschungseffekt. Dieser soll euch aber nicht sprachlos machen, denn im Austausch eröffnen sich neue Erfahrungen, Perspektiven und Ideen. Also kommt vorbei und mit uns oder miteinander ins Gespräch!

Snacks, Beuteldruck und Länderquiz mit dem Agiua e.V.

Aktion mit dem Natürlich Kreativ – Dein Projektladen

Streetart-Wall (10-18:00): Staunende Monster erobern die Stadt! Geschaffen werden sie von euch, auf Wunsch mit unserer Unterstützung. Neben Wandflächen zur freien Gestaltung stellen wir euch Spraydosen, Pinsel, Stifte, Stoffe und diverse andere Materialen zur Verfügung und helfen euch auch gerne eure Fantasien auf dem Brühl zum Leben zu erwecken.

 

Text: Katha von Sterni

Titelbild und Programm: Bordsteinlobby 

Hanau ist überall

Gedenkstätte Illustration

Paris, Notre Dame: stundenlang reden die Leute darüber, tagelang besteht mein Feed in den Sozialen Netzwerken aus Spendenaufrufen, Beileidsbekundungen und traurigen Emoticons. Bei Hanau, dem bereits dritten rechtsradikalen Anschlag innerhalb weniger Monate, verstummen die meisten. Ich jedenfalls sehe niemanden. Sind es die Shisha-Bars? Sind es die Fremden, die ihr erkennt? Oder glaubt ihr an das Privileg des unpolitischen Schweigens? Hanau sind wir alle!

Die Geschehnisse in Hanau erschüttern die Republik und erreichen trotz allem wenige. Hanau ist überall. Rechtsradikale Gewalt ist tagtäglich und in unserer demokratischen Gesellschaft allgegenwärtig – leider nicht erst seit den vergangenen Tagen. Wir sind es den Opfern des Anschlags schuldig, die Grundstrukturen in Politik, Medienlandschaft und in unseren Köpfen aufzubrechen. 

Es ist beleidigend und beinahe ironisch, wenn dem türkischen Präsidenten Erdogan Mitleid bekundet wird, wenn man bedenkt, und das sollten wir, das die Menschen, die bei diesem Anschlag ums Leben gekommen sind, unteranderem Minderheiten sind, die auch vor Erdogans Terror fl􏰀üchten. Kurden sind in der Tü􏰀rkei 􏰁“Berg-Tü􏰀rken“􏰂, in Deutschland 􏰁“Ausl􏰃ändische Tü􏰀rken“􏰂, wenn also Nationalität􏰃t in den Kontext eingeführt wird, wieso dann nicht mit entsprechendem Respekt. Auch die Gäste des Maybrit Illner Spezials zu Hanau schockieren 􏰄- Kübra Gümüsay die zu antikurdischem, antialevitischem und antiezidischem Terror schweigt, kann nicht das Gesicht der Minderheit sein!

Die Liste ist lang...

Wenn sie von Fremdenfeindlichkeit reden und nicht rassistisch sagen, übernehmen sie das Narrativ der Rechtsextremen, wo Menschen phänotypisch nicht zu Deutschland gehören, wonach Menschen als Fremde gelabelt werden. Fremde gibt es nicht, wir machen sie zu Fremden! Es muss nachdenklich und wütend machen, dass die Betroffenen immer wieder warnen müssen! Solange wir schweigen, umformulieren, besä􏰃nftigen, um 􏰁“kein Chaos“􏰂 z􏰅u stiften, solange sind wir verantwortlich für jedes weitere Opfer, schreiben weiter die viel zu lange Liste von Mitschuld, sehen Motiv und Problem nicht: Rassismus.

Rassismus ist nicht mit Lippenbekenntnissen abzuhaken, auch wenn Solidarität für die Opfer unabdingbar ist: Sie müssen wissen, dass sie nicht allein sind. Aber noch wichtiger ist es, die dahinterstehenden Grundstrukturen aufzudecken 􏰄- jetzt! Jeder und jede Einzelne steht in Verantwortung solidarisch zu sein, was damit beginnt, sich mit den Menschen, mit ihren Fragen, ihren Sorgen und Meinungen auseinanderzusetzen. Wir müssen an allen Ecken der Gesellschaft mit Nachdruck daran arbeiten, im Namen aller Opfer, aller Hinterbliebenen und aller Betroffenen.

Und Chemnitz, wo bist du? Vor allem dir steht Schweigen und Wegschauen nicht zu. Hanau ist keine Randnotiz, seine Shisha-Bars und Imbisse existieren mitten unter uns. Wenn es uns schwerfällt zu verstehen, dass die Angst unserer Mitmenschen real ist, wenn es schwerfällt, zu verstehen und nicht weniger betroffen zu sein, dann lasst uns nicht vergessen, dass uns kein Terrorist nach dem Pass fragt.

Text: Sibel

Illustration: Julia Kütter 

Spendenaufruf

Spendenaufruf

Wir brauchen eure Hilfe!

Um die Druckkosten für unser nächstes Heft zu stemmen, haben wir Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt. Trotzdem fehlt uns noch ein kleiner Betrag. Wenn du unsere Arbeit unterstützen möchtest, würden wir uns sehr über eine Spende freuen.

Wir wollen, dass das Heft auch in Zukunft kostenlos bleibt und wir euch mit den aktuellsten Inhalten zum Studierenden-Leben rund um Chemnitz versorgen können. Dabei hilft uns jeder Beitrag, egal wie groß oder klein er ist!

Wenn ihr helfen möchtet, findet ihr hier unsere Kontodaten:

RABBAZ e. V.

IBAN: DE28 8705 0000 0714 9970 05

BIC: CHEKDE81XXX

Natürlich erhaltet ihr, wenn gewünscht, auch eine Spendenquittung. Bitte meldet euch dafür mit einer separaten E-Mail bei uns.

Vielen Dank!

euer RABBAZ Team

Das erste Mal…

Unsere erste Ausgabe ist da!

Es ist soweit – unser erstes Mal gibts jetzt endlich auch online mit weniger Rechtschreibfehlern. Gönnt euch diese feingetunte Version Kinder, viel Spaß!