Das homeward-Festival

Wenn eine alte Ziegelei zum Leben erwacht...

von Mona Berner

Bilder: Homeward-Team

Zugegeben: Ganz ausgestorben ist die alte Ziegelei im kleinen Niederwürschnitz im Erzgebirgskreis nie. Rentner, die im Steegenwald spazieren waren oder Familien, die mit ihren Kindern im kleinen Imbiss ein Eis essen, sind hier in den Sommermonaten immer anzutreffen. Aber einmal im Jahr verändert sich das Publikum: tiefe Bässe bringen die Baumwipfel zum Beben und statt 30 Menschen befinden sich plötzlich über 3000 auf dem urigen Gelände und verdoppeln damit kurzerhand die Einwohnerzahl des Dorfes. Was ist es, das all diese jungen, weltoffenen und gut gelaunten Menschen im Sommer an diesen Ort lockt?

Ein Festival. Was sonst, könnte man denken. Aber dieses Festival ist anders. Weit weg von Kommerz, jenseits von „wer bekommt die meisten Likes auf Instagram für das geilste Festivaloutfit“. Es geht um Familie, Heimatgefühl, ankommen, entschleunigen und sich einfach wohlfühlen – wie im heimischen Wohnzimmer. Feste Eintrittspreise gibt es nicht, jeder gibt so viel wie er kann und will. Wer Hunger hat bekommt leckere Flammkuchen oder Vegetarische Kartoffel-Gemüse Schalen: alles frisch und lecker und Dank unzähliger ehrenamtlicher Helfer realisierbar. Kommt es zu Engpässen, hilft man sich gegenseitig, wie 2018 als bereits am ersten Tag alle Essensvorräte aufgegessen waren und die Besucher einfach mitmachten: Gemüse schneiden, kochen, Brote belegen. „Wir wollen ein Festival mit den Menschen und nicht im Sinne des klassischen Konsumdenkens“, erklärt Stephanie Mittelbach, welche von Anfang an fest in der Organisation verankert ist.

Dass es dieses Festival überhaupt gibt, ist mehr oder weniger ein Zufall. 2017 beschloss eine Gruppe junger und vom christlichen Glauben überzeugter Menschen, dass wenn das geliebte und hoch geschätzte Freakstock Festival ausfällt (Europas größtes, alternatives christliches Musikfestival), das Freakstock eben zu sich zu holen. Schnell hatten sich Bands und Location gefunden und so startete es vor drei Jahren mit rund 1000 Besuchern in die erste Auflage. Damals war nicht klar, ob es sich zu einer Festivalreihe entwickelt, oder nur ein einmaliger Ausgleich zum Freakstock ist. Aber der Zuspruch war hoch und auch wenn die Planung und Organsiation besonders in den ersten beiden Jahren für die ehrenamtlichen Helfer eine große Herausforderung war, ging es in die nächste Runde. Und es lohnt sich.

Es geht nicht nur um Musik, sondern um Gemeinschaft.

Jedes Detail auf dem Festivalgelände ist mit so viel Liebe gestaltet und dekoriert. Egal ob chillen auf den alten Sofas im Zelt, Deep-Talk in der mit Lichterketten ausgehangenen Höhle oder runterkommen im Shisha-Zelt: Wohlfühlen steht an erster Stelle. Morgens, nachdem du lang und gut in deinem Zelt, welches auf einem der Felder mitten im Grünen steht (und wenn du Glück hast, hörst du die Schafe des Bauern) ausgeschlafen hast, die reine Landluft riechst und dich gestärkt hast, erwarten dich unzählige kreative Angebote. Neben Gottesdiensten und christlichen Workshops, kannst du auch bei einer Runde Yoga oder Windlichter basteln entspannt in den Tag starten. Beim Beziehungsworkshop „Topf sucht Deckel“ konnte unsere bindungsphobische Generation einiges dazu lernen: „Diesmal ging es um Kriterien der Partnerwahl und das man sich klar werden sollte, was man von seinem Partner erwartet“, erzählt Workshopleiter Thomas Drossel, welcher bereits seit 30 Jahren mit seiner Frau verheiratet ist und weiß: „Damit eine Partnerschaft funktionieren kann, muss man auch bereit sein, sich zu verändern“. Zu deep? Dann einfach zum Einrad-fahren-lernen Kurs.

Zu Indie, Funk, Rock, Tech oder Drum ́n ́Bass kannst du Nachts an drei verschiedenen Bühnen dein Tanzbein schwingen, trinken, quatschen – Spaß haben. Eine gute Zeit zu haben steht an erster Stelle und dazu ist es den Veranstaltern wichtig, dass bestimmte Werte verinnerlicht werden: „Wir haben uns die Zeit genommen, unsere Werte genauer zu definieren und darüber nachzudenken, welche Philosophie hinter uns steht“, erklärt Stefanie Mittelbach. Dazu zählen unter anderem „no hate“, was ausdrücklich gegen jegliche Art von Diskriminierung spricht oder auch „Do it yourself“, was bedeutet, dass man Dinge selbst macht.

Es ist ein christlich geprägtes Festival, bei dem jeder willkommen ist, der die gemeinsamen Werte teilt. Das ist unabhängig davon, welcher Religion oder Glaubensrichtung man angehört, wie Stefanie Mittelbach noch einmal klarstellt: „Wir wollen eine Gegenwart schaffen, für Dinge die schön sind und eine gemeinsame Werte-Basis haben. Das bedeutet nicht, dass es deswegen aufdringlicher wird.“

Das nächste homeward-Festival findet vom 02.-05.07.2020 statt. Weitere Infos findest du hier.

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