„Heimat ist ein Gefühl”: Leipziger Politikstudent über ostdeutsche Identität

Dennis Chiponda wurde 1991 in Senftenberg geboren. Heute bringt der Politikstudent bei
der Plattform „Leipzig spricht“ nicht nur Menschen unterschiedlichster Meinung zusammen.

Mit Herz zu einem Dialog auf Augenhöhe – Dennis Chiponda (29) möchte Menschen
zusammenbringen, die vor langer Zeit aufgehört haben einander Gehör zu schenken. Sein
Anspruch: Bürger*innen aus allen gesellschaftlichen Nischen miteinander ins Gespräch
kommen lassen und sie einladen neue Perspektiven auf das eigene Leben einzunehmen.
Zu diesem Zweck gründete der queere Ostdeutsche mit afropolnischen Wurzeln 2019 mit
Gleichgesinnten die Plattform „Leipzig spricht“. Das Kollektiv organisiert offene
Diskussionsabende, an denen sich nach einem kurzen Vortrag jeder zum vorgestellten
Thema äußern kann. Da sich die Gesprächspartner dabei in die Augen blicken, entwickle
sich im Gegensatz zu Streitgesprächen im Internet hier meist ein respektvoller, konstruktiver
Wortwechsel, erklärt er.

Ein ähnliches Format lohne sich in seinen Augen auch in anderen Städten. So könnten
Menschen, die vielleicht sonst nicht (mehr) miteinander reden, einander näher kommen. „Wir
müssen wieder lernen, der Person gegenüber wirklich zuzuhören und dabei auch eine
andere Meinung auszuhalten.”

Heimat bedeutet Verbundenheit und Erinnerung

Dennis Chiponda wuchs in Senftenberg auf. Nach seinem Abitur studierte er Lehramt in
Chemnitz und Dresden, bevor er mehrere Jahre unter anderem in den Niederlanden und in
Großbritannien als Tänzer arbeitete. Während Pegida 2015 in Dresden immer mehr Leute
mobilisierte, engagierte er sich für Geflüchtete und gab Tanzworkshops. Nach dem in
Nürnberg begonnenen Politikstudium zog es ihn schließlich nach Leipzig, zurück in den
Osten.

Warum er zurückkehrte, kann er leicht erklären: „Heimat ist ein Gefühl und das ist für mich
einfach die Lausitz. Das ist der erste Kuss, der Weg zur Schule, ein Gericht, das meine
Mutter immer gekocht hat, oder die Zeit mit Freunden.“ Für ihn sei Heimat ein Ort de
Verbundenheit, den der Mensch gern teilt und aus dem er niemanden ausschließt.
Warum der Sohn eines mosambikanischen Vaters und einer polnischen Mutter es
nachvollziehen kann, dass sich Menschen aus der Lausitz und anderen ostdeutschen
Regionen jedoch nicht immer gehört fühlen, lest ihr hier.

Text: Heike Reiß
Foto/Credit: Dennis Chiponda

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