Seniorendemokratie Deutschland?!

„Sie sagt, ihr Leben sei genau wie die Pralinen:
Kaum offen, machen sich die Alten drüber her,
Behaupten schmatzend, dass das immer noch halb voll sei,
Doch wenn man endlich dran kommt, ist die Schachtel leer.“ (Felix Meyer)

Die Zukunft gehört der Jugend, möchte man meinen, wenn man mit logischem Menschenverstand durch die Welt geht. In unserer Wohlstands- und Wirtschaftsnation Deutschland bekommt man dennoch immer wieder das Gefühl, dass die Politik in Sachen Jugend, Zukunft und Generationsgerechtigkeit schlichtweg: versagt. Da müssen schon Vertreter:innen der Fridays-For-Future Generation mit einer fetten Klimaklage medienwirksam vor das oberste Gericht ziehen, damit Zukunftspläne überhaupt noch möglich sind. Da fragt man sich schon mal: Woran hats gelegen?

Alibi-Rettungspakete in Sachen Klima, Rente und Gesundheit können unsere Spitzenpolitiker:innen, konkrete Maßnahmen, die tatsächlich zur Verbesserung der Lage beitragen, sucht man an manchen Stellen vergeblich.

Dabei sind wir doch in den letzten Monaten so geschickt in Sachen gegenseitiger Rücksichtnahme gewesen, … also zumindest in puncto Generation 50+. Homeschooling bzw. Lehrbuchseiten abschreiben, Uni vom Küchentisch, Kontaktverbote und Ausgangssperren oder das Ende aller Freizeitaktivitäten außerhalb von Balkon, Sofa und TV wurden von vielen jungen Menschen billigend in Kauf genommen, um unsere älteren Mitbürger:innen zu schützen. Für die Mehrheit war das auch selbstverständlich, da keiner am Tod von Omi und Opi Schuld sein wollte.

Daher müsste man doch jetzt davon ausgehen können, dass sich die Graureiher dieser Gesellschaft ein wenig dankbar zeigen. Das fängt schon in der Arztpraxis an, wenn man mit über 60 nicht auf den mRNA-Impfstoff von Biontech besteht, da AstraZeneca nun mal gefährlich für die Jugend und nicht für die Alten ist. Aber kritisieren wir lieber nicht die Rentner:innen, viel dramatischer ist der verursachte Generationskonflikt von oben.

Die Politik ist schließlich in der Lage, die Interessen der jungen Menschen zu berücksichtigen und zu vertreten. Doch was machen die stattdessen: bieten Kindern ab 12 ein „Impfangebot“ irgendwann am Ende der Sommerferien, verweigern sich in Sachen Klimaschutz, privilegieren die geimpften Rentner:innen und vermitteln dadurch immer mehr das Gefühl, dass Deutschland zu einer Seniorendemokratie mutiert ist.

Doch so langsam kommt ein neuer Wind auf, der hoffen lässt, dass die Bundestagswahl im September einen Wendepunkt darstellt. Die aktuellen politischen Umfragen: GRÜNE 26 %, CDU 24 %, SPD 15%, FDP 11 % (FORSA, 19.05.2021), zeigen auf, dass es bei einigen Teilen der Bevölkerung ein Umdenken gegeben hat. Daher sollten die Politiker:innen von morgen oder die, die es werden wollen, trotz der Pandemie und des hohen Altersdurchschnittes in Deutschland die Jugend nicht länger auf’s Abstellgleis stellen.

Text und Bild: Laura Naumann

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