Plüsch in die Fresse

Power Plush, bestehend aus Anja (Bass, Gesang), Svenja (E-Gitarre, Gesang), Maria (Gitarre, Gesang) und Nino (Schlagzeug) sind spätestens seit ihrem Sommerhit Let´s not Pretend eine feste Größe im Chemnitzer Musikbusiness. In ihrem ersten Interview erzählen sie über ihren Werdegang, welche Rolle die Stadt Chemnitz für sie spielt und wie sie sich künstlerisch in der Pandemie zurechtfinden.

Rabbaz: Bei Power Plush denke ich eher an so Putzutensilien, womit man den Boden reinigen kann, aber damit habt ihr ja nichts zu tun. Wie seid ihr auf den Namen gekommen?

Maria: Als wir drei (Maria, Anja, Svenja) uns aneinander gewöhnt haben, ist uns recht schnell aufgefallen, dass wir alle sehr emanzipatorisch unterwegs sind. Auf der anderen Seite waren wir aber auch eine gewisse Härte gewohnt, vermutlich weil wir damals alle noch in Clubs gearbeitet haben. Wir wollten uns dieser Härte aber auch nicht so hingeben und haben dann nach einer Balance im Namen gesucht. Uns war schon wichtig zu sagen, dass wir auch kraftvoll rüberkommen können, anderseits sollte sich aber auch diese empathische Softness in unserem Namen widerspiegeln und da hat sich dann Power Plush angeboten. Anja meinte dazu immer Plüsch in die Fresse.
Anja lacht.
Zudem erinnert der Namen ja auch ein wenig an die Powerpuffgirls.
Maria grinst.

Rabbaz: Seid Ihr vorher schon in anderen Bands aktiv gewesen?

Nino: Ich mache seitdem ich elf bin Musik und war dementsprechend auch schon in verschiedenen Bands, aber am Schlagzeug bin ich jetzt zum ersten Mal.
Maria: Ich hatte auch vorher schon ein paar Projekte ausprobiert, aber es hat nie gepasst und ich hab mich da auch oft nicht wohl oder unter Druck gesetzt gefühlt. Das ist in der Konstellation aber überhaupt nicht mehr so.

Rabbaz: Wie ist diese Atmosphäre zu Stande gekommen? Wie habt ihr euch denn kennengelernt und gemerkt, dass ihr miteinander Musik machen wollt?

Svenja: Wir haben uns über Freunde von „Blond“ kennengelernt. Nach einem Konzert in Husum 2018, kam ich zufällig mit denen ins Gespräch. Ich habe damals nach Mit-Musiker*innen gesucht und Nina und Lotta haben mich dann mit Anja und später mit Maria bekannt gemacht. Im Frühjahr 2019 haben wir uns zum ersten Mal im Lokomov getroffen und Radler getrunken und dann nahm das so seinen Lauf.
Anja: Wenn man bedenkt, wie wir zusammengekommen sind, ist das schon typisch Chemnitz. Eine Freundin kannte eine Person und die hatte eine Freundin, die wiederum auch jemanden kannte.  Svenja hat dann noch Nino mitgebracht, den sie wiederum gut kannte.

Rabbaz: Was glaubt ihr, welche Rolle spielt Chemnitz darüber hinaus für euch?

Anja: Es gibt hier sehr viele Möglichkeiten sich kreativ zu entfalten. Alle wollen, dass du etwas startest, dass du es einfach machst, auch wenn du noch kein Profi in der Sache bist. Und jeder unterstützt jeden. Mach´s einfach und es wird von allen Seiten angenommen. Das ist auch ein Grund, warum ich hierher gezogen bin. Das habe ich so auch noch nicht in einer anderen Stadt erlebt.

Rabbaz: In Let´s not pretend, eurem ersten offiziellen Song geht es um eine anbahnende Sommerromanze, die von diversen Unsicherheiten begleitet wird.

Svenja: Stimmt. Gerade im Beginn einer solchen Romanze gibt es Unsicherheiten von beiden Seiten. Ich muss die Person ja auch erstmal kennenlernen. Mag die Person mich? Ist es das was ich gerade möchte? Ich muss erstmal schauen, abwägen, bevor ich mich darauf einlassen kann.


Rabbaz: Kennt ihr diese Unsicherheit von euch selbst, dass ihr oft sehr verkopft seid in Situationen, in denen es besser wäre mutig voran zu stürmen, statt auf Sicherheit zu spielen?


Svenja: Bei mir persönlich ist das zwiegespalten würde ich sagen. Auf der einen Seite ist man oft echt viel zu verkopft, weil wirklich so viele Faktoren ausschlaggebend sind, dass ich mir zehntausendmal die Frage stelle: Wird das jetzt wirklich so verstanden wie ich das meine? Sowohl in Beziehungen als auch in der Kunst. Es ist glaube ich immer wichtig eine gewisse Vorsicht zu haben und alles ein bisschen zu hinterfragen. Dennoch sollte man auch da einen gesunden Mittelweg finden und sagen können: Ok, ich schau jetzt mal, wie es läuft und mach das dann einfach.


Rabbaz: Welche Rolle spielt das grundsätzlich auch in kreativen Prozessen bei euch?


Anja: Was ich sehr spannend finde dabei: Bei mir persönlich hat es unglaublich lang gedauert, bis ich meinen ersten Song geschrieben habe, weil ich auf dem Weg dahin immer sehr selbstkritisch war und dann habe ich aufgehört und die Texte auch nie irgendjemanden gezeigt. Das ist auch für mich jetzt eine gute Erfahrung, dass man etwas halbfertiges mitbringen kann und dafür nicht verurteilt wird. Das wurde erstmal vollkommen angenommen und daraus entstand gemeinschaftlich etwas. Wenn es nicht funktioniert, dann funktioniert es halt nicht, aber ich muss mich in dem Raum, den wir uns da geschaffen haben vor nichts fürchten!

Rabbaz: Gerade als junge Band, ist man darauf angewiesen jetzt rauszugehen und Konzerte zu spielen. Das verhindert die Pandemie gerade. Wie geht ihr damit um?

Anja: Ich als kreative Person habe immer das Ziel mit anderen Künstler*innen und Musiker*innen zusammen zu arbeiten. Das geht gerade nicht. Da wurde bei uns allen auf Pause gedrückt, aber das ist ein gemeinsames Schicksal, mit dem ich mich langsam abgefunden habe.
Svenja: Klar mussten wir gerade viele Auftritte absagen. Auf der anderen Seite haben wir uns in der Zwangspause nochmal neu gefunden und machen jetzt eine andere Art von Musik als vorher. Das hat uns gutgetan und uns Zeit gegeben uns noch einmal neu zu entdecken.

Rabbaz: Liegt in der Coronazeit vielleicht auch kreatives Potenzial verborgen, das neue künstlerische Auseinandersetzungen und Herangehensweisen erlaubt?


Maria: Ich glaube es fällt vielen Leuten sehr schwer sich im Moment zurechtzufinden. Da treten auch viele Ängste zu Tage und das ist ja immer ein gutes Futter für Kreativität. Ich würde schon sagen, dass das Jahr davon geprägt ist, dass man sehr auf sich selbst, aber auch mehr auf seine Umwelt achtet. Dass man schaut, was bei der Person gerade los ist und das immer in diesen Pandemie Kontext setzt. Viele Menschen sind on edge, aber auf der anderen Seite gibt es auch sehr viel Rückhalt und viel Verständnis für die Situation und ich glaube das gibt auch einen sehr guten Mix, um sich kreativ mit diesem Thema auseinanderzusetzen.
Anja: Ich habe gerade darüber nachgedacht, was ich in letzter Zeit so für Songs geschrieben habe und indirekt hat das ja schon damit zu tun. Ich habe in den Texten jetzt nicht die Pandemie thematisiert, aber mich schon mit Einsamkeit beschäftigt und auch damit nicht direkt Zugang zu anderen Menschen zu haben, eben lost zu sein. Dieses Gefühl kann im Moment jeder nachvollziehen. Ich glaube viel von dem was jetzt entsteht wird auch nochmal emotionaler.

Rabbaz: Durch Corona werden wir jetzt vermutlich noch etwas länger auf Konzerte und Festivals verzichten müssen. Wie geht’s für euch weiter?
Svenja: Naja im besten Fall starten wir durch! (grinst)
Anja: Wir wollen die Zeit auch schon effektiv nutzen, Corona ist ja nächste Woche nicht wieder vorbei. In der Zeit, in der wir keine Gigs spielen, wollen wir uns gerne anderweitig kreativ und musikalisch beschäftigen. Wann haben Bands mal Zeit nur zu recorden und zu schreiben?
Das ist ja auch eine Ausnahmesituation, aus der man auch etwas Positives und Produktives ziehen könnte.

Foto: Power Plush

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